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"Wer hat Angst vorm schwarzen Mann? Niemand!" (Außer Rassisten): Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?

"Wer hat Angst vorm schwarzen Mann? Niemand!" (Außer Rassisten)
Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?
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Notes

table of contents
  1. Book Cover
  2. Title Page
  3. Editorial
  4. Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?

"Wer hat Angst vorm schwarzen Mann? Niemand!" (Außer Rassisten). Probleme und Chancen der Migration und Integration afrikanischer Flüchtlinge.

Ernest W.B. Hess-Lüttich

1. Zur Lage

1"Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?" ist der Titel eines seit dem Barock überlieferten Kinderspiels, dessen Ursprünge im Dunkeln liegen. Einerseits wird es als Gegenstand 'ludischer Reliktforschung' traditionellem Brauchtum und Turnwesen zugeordnet ("Knabenspiele"), andererseits der Gattung der Totentänze aus der Zeit der Pest-Epidemien, an die auch Beate Morgenstern in ihrer Anthologie Jenseits der Allee erinnert: "Wer hat Angst vorm schwarzen Mann? / Niemand, niemand!" (Morgenstern 1979: 114). In jüngerer Zeit wird die Zeile von manchen Autoren als Buchtitel übernommen, um den in Deutschland (wieder) zunehmenden Rassismus zu beschreiben (z.B. Asserate 1990; Schramm 1990). Hier knüpfen wir an, um die im Zeichen rechtspopulistischer Herausforderungen wieder anschwellende Debatte um Migration und Integration diskursanalytisch einzuordnen. Laut ersten Ergebnissen der aktuellen Eurobarometer-Umfrage 2019 sehen die EU-Bürger in der Einwanderung das wichtigste Problem auf EU-Ebene.1 Obwohl sie seit 2015 kontinuierlich gesunken ist und die im Koalitionsvertrag der gegenwärtigen Bundesregierung festgelegte Obergrenze (von 180'000-220'000 Immigranten per annum) wie im Vorjahr auch 2019 erneut unterschritten werden wird, drohen in Deutschland (vor allem im Osten) politische Mehrheiten für populistisch-xenophobe Positionen und Parteien, die lautstark dichte Grenzen der ‚Festung Europa‘ fordern. Haben sie Recht? In seinem Buch Über Grenzen denken. Eine Ethik der Migration gibt der Münchner Philosoph (und ehemalige Staatsminister für Kultur) Julian Nida-Rümelin zu bedenken: „[...] ohne Grenzen gibt es keine individuelle, kollektive, staatliche Selbstbestimmung und keine individuelle, kollektive und staatliche Verantwortung, dann lösen sich die Strukturen der Verantwortungszuschreibungen und der Akteure auf“ (Nida-Rümelin 2017: 164). Dies schließe ein, folgert Nida-Rümelin weiter, dass Grenzen unter Umständen auch verteidigt werden müssen. Das von Kant schon 1795 in seinem Traktat Zum ewigen Frieden postulierte Recht von Individuen, ihren Staat zu verlassen, impliziere für andere Staaten nicht die Pflicht, diese auch aufzunehmen. Im Gespräch mit den Frankfurter Heften illustriert Nida-Rümelin den Gedanken so: „Mein Recht zu heiraten, wen ich will, korrespondiert nicht mit der Pflicht aller, mich zu heiraten, wenn ich das will“ (NG.FH 9/17: 53f.).

2Ähnlich äußert sich der Oxforder Philosoph David Miller (2018) in seinem neuen Buch Der Fremde in unserer Mitte, in dem er unter Berufung auf Max Webers Unterscheidung zwischen Gesinnungs- und Verantwortungsethik das moralische Dilemma seziert, das aus der Schutzlücke zwischen den Rechten der Schutzlosen und den Pflichten derer, die sie beschützen könnten, erwachsen kann. Aber während er im Zweifel der Abwägung das Recht, ja die Pflicht eines Nationalstaates hervorhebt, seine Grenzen zu schützen (also zu schließen), weil er kraft der Identifizierung seiner Bürger miteinander einen kommunitaristischen Charakter habe, plädiert Nida-Rümelin (2017) in Äquidistanz zu einem Liberalismus, der sich alles Heil von den selbstregulativen Kräften des Marktes erhofft, einerseits, und einem Kommunitarismus, der allein auf die Interessen der Kollektive setzt, andererseits, für eine Gesellschaft als ein Kooperationsgefüge, das die Bereitschaft von Individuen voraussetzt, sich gemeinsam in einen Institutionsrahmen zu begeben, innerhalb dessen sie, als Individuen, kooperativ ihre Interessen wahren können. Der Haken: dazu bedürfte es wohl vernünftigen Raisonnements im Sinne einer Habermas'schen Diskursethik (vgl. Habermas 1991).

3Rationales Argumentieren mit moralischem Kompass (Kant) wäre jedoch gerade in der gegenwärtigen Debatte über Islam und Migration, Integration und Flüchtlingskrise gebotener denn je. In seinem 2018 erschienenen Buch Integration. Protokoll eines Scheiterns bezieht der Islamwissenschaftler, Politologe und Publizist Hamed Abdel-Samad zu dieser Debatte nüchtern Stellung. Gegen die ideologisch verhärteten Fronten sucht er den Bedingungen gelingender Integration auf den Grund zu gehen, ohne die erkennbaren Probleme dabei auszuklammern oder zu bagatellisieren. Weil Integration nicht nur aus Bildung, Sprache und Arbeit bestehe, differenziert er zwischen struktureller, kultureller, sozialer und affektiver bzw. identifikativer Integration (Abdel-Samad 2018: 21). Zugleich warnt er angesichts der Integrationsdefizite insbesondere bei Migranten muslimischer Prägung vor der Illusion, sich teilweise ausschließende Wertesysteme zur Deckung bringen zu können und fordert von ihnen (also den muslimischen Migranten) den Verzicht auf jene Teile ihrer Herkunftskultur, die mit der Kultur des Gastlandes unvereinbar seien (ebed.: 23).

4Ins gleiche Horn stößt der Publizist Joachim Wagner in seinem neuen Buch über Die Macht der Moschee, das die These zu belegen sucht, die kulturelle Integration der Muslime in die deutsche Gesellschaft sei mehrheitlich gescheitert (Wagner 2018). Insbesondere die aus der Türkei zugewanderten und aus den Krisengebieten in Nahost geflohenen Muslime stünden anhaltend unter dem Einfluss der muslimischen Verbände und Moscheevereine, die zu 75 % von der Türkei, Saudi-Arabien und den Golfstaaten kulturell und religiös gesteuert würden (und finanziell abhängig seien). Alle empirischen Studien erhärteten den Befund, dass Muslime die mit Abstand am schlechtesten kulturell integrierte Gruppe seien. Bei aller Kritik an einzelnen Details des zahlensatten Buches (cf. dazu die Rezension durch den ehemaligen SPD-Finanzminister Peer Steinbrück in der Zeit 22 v. 24.05.2018: 65 f.) lässt sich auch diesseits islamophober AfD-Parolen nicht länger übersehen, dass die Integrationsbereitschaft vieler Muslime und die Aufnahmebereitschaft durch die Residenzgesellschaft in jüngster Zeit in eine politisch und sozial explosive Schieflage zu geraten drohen.

5Deshalb warnen die Autoren eines im August 2019 von Carsten Linnemann und Winfried Bausback herausgegebenen Sammelbandes davor, vor den interkulturellen Problemen, die die Immigration aus anderen Kulturkreisen und insbesondere aus muslimischen Krisengebieten mit sich bringt, länger die Augen zu verschließen. Vielmehr gelte es, die Kräfte des liberalen Islams zu stärken gegenüber den radikalen Vertretern des politischen Islams, deren subversive ideologische Schulungsarbeit in den Gemeinden und Verbänden jede Aussicht auf Integration zunichte mache.2

6Ist die Hoffnung auf Integration also vergebens? Bei der Fixierung der gegenwärtigen Debatte auf den Islam und die Flüchtlinge aus dem arabischen Raum (unter denen ja z.T. auch Angehörige anderer Religionen sind) droht eine Gruppe aus dem Blick zu geraten, die im Moment quantitativ noch nicht in gleicher Weise in Erscheinung tritt, künftig jedoch eine immer größere Rolle spielen wird: die Flüchtlinge und Migranten aus Afrika, die keineswegs alle muslimischen Glaubens sind (und soweit sie es sind, dann nicht selten in gemäßigteren Varianten als den streng sunnitischen und schiitischen). Werfen wir daher einen Blick auf jene Gruppe von Geflüchteten, deren Hautfarbe sie der in Deutschland zunehmenden Fremdenfeindlichkeit in besonderer Weise aussetzt und deren quantitative Bedeutung in der absehbaren Zukunft unbeschadet aller Maßnahmen der Regierung zur Eindämmung von 'Fluchtursachen' weiter steigen wird.

7In einem Zeit-Interview sagte der ehemalige deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble unmittelbar vor einer Kölner Tagung zum Thema "Grenzen und Migration: Afrika und Europa" im Juni 2016: "Afrika wird unser Problem sein, wir müssen diese Aufgabe annehmen" (Die Zeit 25 v. 09.06.2016: 4). Wie er den Satz wohl betont hat? Afrika wird unser Problem sein, nicht mehr nur der islamische Krisenbogen. Afrika wird unser Problem sein, denn es ist unser Nachbar-Kontinent jenseits des mare nostrum, und der Vordere Orient hält uns die Afrikaner nicht mehr vom Leibe. Afrika wird unser Problem sein. Klar, Hundertausende afrikanischer Flüchtlinge warten im Maghreb auf die unsichere Überfahrt nach Europa (allein in Libyen, so schätzte der französische Verteidigungsminister Jean-Ives Le Drian, vegetieren 800000 Flüchtlinge in Lagern unter menschenunwürdigen Bedingungen); jede Woche ertrinken Menschen vor unseren Küsten, überwiegend Afrikaner (Die Zeit 24 v. 02.06.2016: 2 u. 43 v. 13.10.2016). Im Jahr 2015 haben es nach UNHCR-Angaben über 150'000 Afrikaner geschafft, nach Europa zu kommen, davon laut Spiegel (17 v. 23.04.2016: 92 f.) 108'000, illegal, 42 % mehr als im Jahr davor; inzwischen steigen die Zahlen im Verhältnis zu anderen Gruppen wieder trotz Flüchtlingsstopp, Frontex-Aufrüstung und Türkei-Abkommen. Insofern ist es angesichts sinkender Zahlen insgesamt (von ca. 1 Mio 2015 auf 2017 gut 200000, also eine Zahl, die sogar Horst Seehofer, der seinerzeitige Innenminister der CSU und erklärter Gegner der Zuwanderung, für verkraftbar hält) für Entwarnungen zu früh. Mehr als die Hälfte der militärischen Konflikte, die Menschen zur Flucht veranlassen, spielen sich in Afrika ab, in Libyen, Somalia, Eritrea, Nigeria, Mali. Quer durch Afrika zieht sich nach dem 'Index der fragilen Staaten' des Fund for Peace ein durchgehender Krisengürtel (Klingholz 2016: 31). Die Zahlen der in Italien und Griechenland registrierten Migranten aus diesen Regionen, aber auch aus Gambia, Senegal, Kamerun, Burkina Faso, Guinea, Sierra Leone, Uganda, aus dem Tschad, dem Kongo und dem Sudan, von der Elfenbeinküste und aus der Zentralafrikanischen Republik geben zu Besorgnis allen Anlass (Abb. 1; cf. das Afrika-Dossier in Die Zeit 26 v. 21.06.2018: 13–16).3

Abb. 1: Fragile Staaten z.Zt. der Flüchtlingskrise 2015 in Europa (Quelle:
                     Die Zeit, 21.06.2018: 13-16)
Abb. 1: Fragile Staaten z.Zt. der Flüchtlingskrise 2015 in Europa (Quelle: Die Zeit, 21.06.2018: 13-16)
Abb. 1a: Fragile Staaten 2023 (Quelle: Fragile States Index - The Fund for
                     Peace, 2023)
Abb. 1a: Fragile Staaten 2023 (Quelle: Fragile States Index - The Fund for Peace, 2023)

8Nicht alle fliehen vor Krieg und Terror, in Ostafrika droht (wieder einmal) Hungersnot aus ökologischen Gründen (Dürre in Äthiopien, Eritrea etc.); mehr als 200 Millionen Afrikaner hungern, weil Afrika zwar über mehr als ein Viertel der weltweit landwirtschaftlich nutzbaren Fläche verfügt, aber darauf nur 9 % der global erzeugten Agrargüter produziert. Der Direktor des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung, Reiner Klingholz, hat errechnet, dass 80 % der Arbeitsfähigen südlich der Sahara keinen bezahlten Job haben und bis 2020 weitere 120 Millionen junge Afrikaner auf den Arbeitsmarkt drängen, ein Drittel davon ohne Schulabschluss (Klingholz 2016: 31). Sie sehen ihre Lebenschancen nicht mehr in ihrer Heimat, sondern in einer Welt, deren Bilder ihnen die globalisierten Medien aufs Handy schicken. Sie erleben hautnah jenen krassen Gegensatz zweier Zeitalter, den Paul Virilio (1996) in seinem Essay Fluchtgeschwindigkeit schon vor 20 Jahren prophezeit hatte: sind die Zeit-Grenzen erst gefallen, fallen auch die Grenzen zwischen uns und denen da draußen (cf. Radisch 2016: 35). Das wird nicht billig für uns. Die EU-Kommission veranschlagt 9,2 Milliarden Euro allein für die Kosten der Flüchtlingsversorgung des Jahres 2015/16. Das Bundesfinanzministerium plant bis 2020 für die Flüchtlingsversorgung bereits jetzt 93,6 Milliarden Euro ein, davon 5,7 Milliarden für Sprachkurse (Spiegel 20 v. 14.05.2016), für die nun eilends Sprachlehrer zur Vermittlung des Deutschen als Fremdsprache gefunden werden müssen.

9Die deutsche Bundesregierung hat den Ernst der Lage erkannt. Im Oktober 2016 eilt die damalige Bundeskanzlerin nach Niger, Mali und Äthiopien, wo sich die wichtigsten Flüchtlingsrouten des Kontinents kreuzen; allein in Agadez (Niger) warten ca. 300'000 Migranten darauf, sich auf den Weg durch die berüchtigte Transsahara-Route nach Norden zu machen (Grill 2016: 99). Der Außenminister besucht Nigeria, aus dem allein in der ersten Jahreshälfte 2016 über 20'000 Menschen nach Deutschland geflohen sind, wo vorher schon 45'000 Nigerianer Aufnahme gefunden haben. Nach Schätzungen der Internationalen Organisation für Migration (IOM) kommen mehr als 160'000 Flüchtlinge im Jahr auf dem Weg nach Norden allein durch Niger, das im Namen einer "Migrationspartnerschaft" mit Afrika in den kommenden Jahren mit mindestens 60 Millionen Euro unterstützt werden soll (Brost & Klingst 2016). Ein mit 3,6 Milliarden Euro ausgestatteter Treuhandfonds der Europäischen Union (in den allerdings erst 81 Millionen eingezahlt wurden) soll die Bekämpfung von Fluchtursachen, die legale Migration (z.B. von Studenten), den Flüchtlingsschutz, den Kampf gegen Menschenhandel und die Rückführung von abgelehnten Asylbewerbern und ihre Re-Integration in den Heimatländern fördern. Ob die bewilligten Mittel heute mehr ausrichten werden als die zahllosen vergeblichen Hilfsprogramme in der Vergangenheit, steht zu bezweifeln angesichts der bewährten Praxis korrupter Regime, die Gelder über dubiose Kanäle abzugreifen, statt sie den Bedürftigen zukommen zu lassen. Auf die in Aussicht gestellte Verdoppelung von EU-Visa für afrikanische Studenten und Wissenschaftler warten die Betroffenen bislang ebenfalls vergebens.

2. Rückblick

10Zehn Jahre vor der Veröffentlichung von Virilios prophetischem Essay, der seinerzeit als apokalyptische Spekulation mit milder Nachsicht ad acta gelegt wurde, also vor über 30 Jahren, habe ich ein Buch herausgebracht mit dem Titel Integration und Identität (Hess-Lüttich ed.: 1986). Darin plädierte ich in einem Kapitel über „Sprachliche Bildung und berufliche Integration afrikanischer Flüchtlinge“ für mehr Sprach- und Integrationskurse und lieferte für allfällig Interessierte gleich noch einen kleinen Exkurs ins Swahili mit, um prospektive Deutschlehrer exemplarisch für die Ursache von Interferenzphänomenen in den Herkunftssprachen ihrer Schüler zu sensibilisieren. Denn wer sich informieren wollte, konnte schon damals erkennen, was heute die Spatzen von den Dächern pfeifen, nämlich dass die beharrliche Negation der absehbaren Migration uns noch vor erhebliche Probleme stellen und hohe Kosten verursachen würde. Stattdessen wiederholte die Regierung (vor allem unter Kanzler Helmut Kohl) wider besseres Wissen jahrzehntelang ihr Mantra, dass Deutschland nun mal kein Einwanderungsland sei. Fördergelder wurden gestrichen, Forschungsprojekte nicht verlängert, die Gesellschaft zur Förderung berufsspezifischer Ausbildung (GFbA) mit 11 Standorten im Inland, dem Pendant zu den Goethe-Instituten im Ausland, eine Ausgründung der einst von Studenten gegründeten Otto-Benecke-Stiftung (OBS) zur Unterstützung der Integration von Migranten, wurde nach Bekanntwerden der Veruntreuung von Fördergeldern in Millionenhöhe durch den damaligen Geschäftsführer (Volker Grellert) Anfang der 90 Jahre in aller Stille beerdigt.4 Die damals verantwortliche Ministerin hieß übrigens Angela Merkel. Zu ihrer Zeit betrug der OBS-Haushalt umgerechnet ca. 250 Millionen per annum, heute noch gerade 15 Millionen Euro, vor allem für Sprachkurse.

11Erst 2005 wurde von der rot-grünen Regierung Schröder/Fischer ein neues Zuwanderungsgesetz verabschiedet und damit zum ersten Mal das verpflichtende Angebot von Sprach- und Integrationskursen für Einwanderer und bereits in Deutschland lebende Ausländer gesetzlich verankert. Einer aktuellen OECD-Studie zufolge führten diese Maßnahmen (lt. Die Zeit 30 v. 18.07.2013: 52) recht schnell zum Erfolg: die entsprechend ausgebildeten Immigranten finden schneller Arbeit als zehn Jahre zuvor, 60 % der Absolventen der Sprachkursteilnehmer konnten sich 2012 mit erfolgreichen Abschlüssen bewerben. Dann wurden die Mittel auch dafür wieder gekürzt. Es dauerte abermals mehr als 10 Jahre, bis das Bundeskabinett unter Leitung von Angela Merkel, nunmehr Kanzlerin, am 25. Mai 2016 ein neues Integrationsgesetz vorlegte, das unter dem originellen Motto „Fördern und Fordern“ wieder einmal Belohnung für erfolgreichen Spracherwerb verheißt: Niederlassungsrecht für Flüchtlinge, die nach drei Jahren das Sprachniveau C1 erreichen.

12Die neue Erkenntnis 2016: „Die Integration in den Arbeitsmarkt und das Erlernen der deutschen Sprache sind der Schlüssel für eine gelungene Integration und einen dauerhaften Aufenthalt in unserem Land“ (Pressemitteilung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales v. 25.05.2016). Diese Einsicht konnte man auch vor 30 Jahren schon gewinnen; damals schrieb ich: „Wenn aber nach übereinstimmender Meinung der Experten die Chancen der beruflichen und sozialen Integration der Jugendlichen [Migranten] entscheidend von ihrer Sprach- und Kommunikationsfähigkeit abhängen, müssen die Anstrengungen zu deren Förderung und Verbesserung erheblich verstärkt werden“ (Hess-Lüttich 1986: 123). Geschehen ist dann das Gegenteil.

13Das Kapitel VIII des im Frühjahr 2018 nach zähem Ringen vereinbarten Koalitionsvertrags der neuen Bundesregierung Merkel/Scholz widmet sich ausführlich allen Fragen der Integration von Migranten, aber dann ist vor allem von deren Abwehr die Rede, von Relocation und Resettlement, von ihrer Verteilung in andere Länder, von ihrer Eignung für den Arbeitsmarkt. Eher am Rande wird der Spracherwerb erwähnt, aber nur für diejenigen, deren Ausreise „kurzfristig nicht zu erwarten ist“: die sollen „Angebote nach dem Grundsatz des Förderns und Forderns für Spracherwerb und Beschäftigung bekommen“.

3. Ursachen und Aufgaben

14Jetzt werden hastig Leute gesucht, die sich zu Sprachlehrern für die verordneten Sprach- und Integrationskurse umschulen oder nachqualifizieren lassen. Die einschlägigen Erfahrungen seit der Verabschiedung des Zuwanderungsgesetzes 2005 bleiben punktuell, individuell, anekdotisch, weil systematisch-länderübergreifende Evaluationen der diversen Integrations- und Sprachvermittlungsprogramme unterblieben sind. Jedes Bundesland wurstelt unkoordiniert vor sich hin, jede Kommune, der Flüchtlinge zugewiesen werden, improvisiert sich von Tag zu Tag durch, von einer Kooperation der deutschsprachigen Länder kann erst recht keine Rede sein. Österreich beharrt in seinen DaF-Programmen eisern auf der Vermittlung des sog. 'österreichischen Deutsch', als ob davon das Glück der Fremden in Austria felix abhinge; in der Schweiz fordern Linguisten-Kollegen ernsthaft die Unterweisung der Migranten im jeweiligen lokalen Idiom als Voraussetzung der Integration, womit sie selbstgewiss die regionale und soziale Mobilität der Fremden meinen einschränken zu dürfen. In Zeiten xenophober Regression wäre es stattdessen nötiger denn je, Klarheit darüber zu gewinnen, welche Ziele man eigentlich ansteuert: Integration oder Identitätsbehauptung, Assimilation oder Segregation, Enkulturation oder Subkulturbildung, berufliche Qualifikation und Eingliederung oder Ghettobildung. Für die kulturell z.T. sehr verschiedenen Flüchtlingspopulationen müssten möglichst zügig adressatenorientiert spezifischere Sprachprogramme und interkulturelle Lehrmaterialien entwickelt werden.

15Zu den kulturellen Fragen gehören auch die z.T. extrem unterschiedlichen Vorstellungen von durch Religion, Tradition, Ritual und Tabu je umzäunten Handlungsspielräumen. Viele Migranten sind bekanntlich muslimischen Glaubens. Aber statt dies in Deutschland bildungspolitisch zum Anlass zu nehmen, die Macht der religiösen Institutionen auf das zurückzuschneiden, was einem Land gemäß wäre, in dem das Gebot säkularer Neutralität immerhin Verfassungsrang hat, und unabhängig von Kirchen und Islamverbänden als Pflichtfach einen überkonfessionell vergleichenden, religionswissenschaftlich fundierten, kulturhistorisch motivierten Ethik-Unterricht aufzubauen, der alle Schüler zur dialogischen Auseinandersetzung mit je anderen Weltsichten zwingt, bleibt die hergebrachte Segregation nicht nur unangetastet, sondern wird nun flächendeckend verstärkt durch zusätzlichen Islamunterricht, der die Fremdheitsschranken zu Mitschülern anderer Bekenntnisse verstärkt. Sie lernen nur, der je ‚eigenen‘ Lehre zu folgen, statt sich im Gespräch mit anderen über Ursprung und Wesen der Pluralität von Religionen bewusst zu werden, in die sie alle durch Zufall jeweils hineingeboren werden, und damit deren historische und regionale Relativität zu verstehen. Aber es geht offensichtlich weniger um das Seelenheil der Kinder als um die Macht der Hierarchen oder die romantische Realitätsferne derer, die z.B. die rechts- und bildungspolitisch wegweisende Errungenschaft des säkularen Berliner Neutralitätsgesetzes (VerfArt29G BE v. 27.01.2005, GVBI, 92) wieder zur Disposition stellen wollen. Relativität durch historisches Wissen stellt den Absolutheitsanspruch von Offenbarungsreligionen in Frage. „Philosophie als Integrationswissenschaft“, schrieb der Berliner Philosoph Markus Tiedemann (in: Die Zeit 25 v. 09.06.2016: 52), „[...] lehrt uns, im kantischen Sinn zwischen Meinen, Glauben und Wissen zu unterscheiden. Das ist die beste Prophylaxe gegen Dogmatismus.“ Haben wir davon nicht schon genug, auch im sog. Westen, dessen 'normatives Projekt' (Heinrich August Winkler) von einer aggressiv-reaktionären Internationale und der wachsenden Phalanx ihrer autokratischen Führer gerade auch in Europa immer dreister herausgefordert wird?

16Um die Flüchtlingskrise nachhaltig zu bewältigen, heißt es allenthalben, müssten die ‚Fluchtursachen vor Ort‘ bekämpft werden. So bekräftigt es auch der Koalitionsvertrag 2018 wieder. Nachdem angesichts des Massensterbens afrikanischer Flüchtlinge auf dem Mittelmeer und vor dem Hintergrund des Wahlergebnisses in Italien (mit der Mehrheit für eine neue Regierungskoalition von Rechts- und Linkspopulisten) die Brisanz des Problems mittlerweile auch dem Letzten klar geworden sein dürfte, soll ein „Marshallplan für Afrika“ es richten. Weil die Idee zunächst etwas kolonial klang, wurde die Präposition ‚für‘ schnell durch ‚mit‘ ersetzt. Wer dazu die Homepage des zuständigen Ministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) konsultiert, sieht eine „Sonderseite zum Thema Flüchtlinge“ mit Grafiken und Tabellen und anrührenden Videos. Wer weiterklickt, bekommt zunächst die berüchtigte Zahl von den 68 Millionen serviert, die weltweit auf der Flucht seien und die wir den Talkshow-Statements unserer Politiker zufolge "ja nicht alle bei uns aufnehmen" könnten, was für die aktuelle Zahl (2023) von über 110 Millionen Flüchtlingen weltweit (laut UNHCR) erst recht gelten dürfte. Weiter hinten dann der Hinweis, dass die Mehrheit der Flüchtlinge in der unmittelbaren Nachbarschaft Aufnahme finde und dass 86 % der Aufnahmeländer selber Entwicklungsländer seien. Dann folgen 36 Seiten Eigenwerbung mit Stichworten zu den vielen guten Taten des Ministers von A wie Abwasserentsorgung in Mali bis Z wie Zertifikate für pakistanische Berufsschullehrer, die die Adressaten freilich nicht in nennenswertem Umfang von ihren Fluchtplänen abzuhalten vermochten.

17Da fragen Ökonomen gerade afrikanischer Herkunft nicht ganz zu Unrecht, warum die 600 Milliarden Euro, die in den letzten 50 Jahren an Entwicklungshilfe nach Afrika geflossen sind, nichts an der Not zu ändern vermochten (Moyo 2009 spricht sogar von einer Billion Dollar). Im Gegenteil: im Februar 2017 schlägt der Nothilfe-Koordinator Stephen O'Brien im UN-Sicherheitsrat Alarm; mehr als 20 Millionen Menschen seien – vor allem in Somalia, Kenia, Nigeria, Jemen, Südsudan – akut vom Hungertod bedroht (cf. Bauer 2017: 16). Der Direktor des Inter Region Network in Nairobi, James Shikwati, wird nicht müde, ein Ende der Entwicklungshilfe traditionellen Typs zu fordern und stattdessen Joint Ventures zwischen westlichen und afrikanischen Firmen zu unterstützen. Die renommierte Ökonomin Dambisi Moyo aus Sambia, die in Harvard studierte, in Oxford promovierte und später als Analystin für Goldman Sachs tätig war, wies in ihrem bereits 2009 erschienenen Buch Dead Aid detailliert nach, wie die Entwicklungshilfe traditionellen Zuschnitts Afrika in die Abhängigkeit führt (Moyo 2009).5 Der Ökonom Carlos Lopes aus Guinea-Bissau kritisiert den „Marshallplan mit Afrika“ ebenfalls und empfiehlt, „alle Entwicklungsprojekte [zu] stoppen“ (Die Zeit 28 v. 06.07.2017: 28); er fordert stattdessen faire Handelsabkommen, die Entwicklung afrikanischer Binnenmärkte und den Verzicht auf die extreme Subventionierung europäischer Fangflotten vor Afrikas Küsten und amerikanischer Landwirtschaften.

18Für den Afrikaforscher Helmut Asche liegt „der Schlüssel für eine solide Entwicklung des Kontinents in einer umfassenden Reform der europäischen Handels-, Agrar und Fischereipolitik“ (Der Spiegel 28 v. 08.07.2017: 59). „Die Entscheidung, ob die Bauern in Burkina Faso hungern, fällt in Washington“, klagt der einflussreiche Baumwollfarmer François Traoré, „die amerikanischen Bauern leben davon, dass ihre Regierung die Regeln bricht“ (Afrika-Dossier, Die Zeit 26 v. 21.06.2018: 14). Zudem relativiert sich die von Moyo eben genannte Zahl von einer Billion Dollar Entwicklungshilfe, wenn man den Zeitraum, in dem die Mittel geflossen sind, und die Menschen, für die sie bestimmt ist, mit in den Blick nimmt. Dann bleibe nämlich von den vermeintlich nutzlosen Hilfszahlungen, haben Berbner, Henk & Uchatius (2018) ausgerechnet, nur ein Durchschnittsbetrag von 20 Dollar pro Kopf und Jahr. Und ein Großteil der Gelder sei als Zins und Zinseszins an die Geberländer zurückgeflossen (Afrika-Dossier in Die Zeit 26 v. 21.06.18: 16).

19Konzentrieren wir uns aus dem hier gegebenen Anlass auf die Migration aus Subsahel-Afrika und vergegenwärtigen wir uns dazu einige aktuelle Zahlen, die illustrieren mögen, warum ich immer wieder für ein stärkeres nachhaltiges Engagement Europas im südlichen Nachbarkontinent plädiert habe. Stichwort Demographie: von derzeit 950 Millionen wird die Zahl der Menschen südlich der Sahara bis 2050 auf 2,5 Milliarden steigen, die unzureichend ausgebildet werden. Stichwort Ökonomie: das Bruttonationaleinkommen beträgt nicht mal ein Zehntel des europäischen, 43 % der Bevölkerung lebt (2012) von unter zwei Dollar pro Tag. Stichwort Ökologie: schon 1995 wurde die Zahl der Umweltflüchtlinge auf 25 Millionen geschätzt; diese Zahl wird nach den Prognosen des Umweltökonomen Dennis Meadows (Die Grenzen des Wachstums) weiter massiv steigen; der Stifter des Alternativen Nobelpreises, Jakob von Uexküll, sieht einen Kampf aller gegen alle auf uns zukommen; der ehemalige IWF-Chef Michel Camdessus, grüner Ideen unverdächtig, „erwartet 200 Millionen Umweltflüchtlinge aus Afrika, die in den nächsten Jahrzehnten versuchen werden, nach Europa zu kommen“ (Die Welt v. 23.04.2015).6 Afrika ist mit regenerativen Energiequellen aller Art überreich gesegnet, aber nicht einmal jeder Siebte hat in ländlichen Gebieten südlich der Sahara einen Stromanschluss. Statt zügig in dezentrale Solar-, Biogas-, Wasser- und Windkraftwerke zu investieren und den dort erzeugten Strom über lokale Netze zu verteilen, wollte z.B. der wegen seiner Korruption aus dem Amt gejagte frühere Präsident von Südafrika (Jakob Zuma) lieber russische Kernkraftwerke kaufen, bis ihm jemand zu sagen wagte, dass sein Land sie gar nicht bezahlen könne (vom ungelösten Entsorgungsproblem ganz zu schweigen). Das bringt uns zum vierten Stichwort: Politik.

20Für den Rückstand der afrikanischen Entwicklung gegenüber den unter vergleichbaren Ausgangsbedingungen gestarteten ostasiatischen Ländern wird von sozial-liberalen Intellektuellen, also meinesgleichen, routinemäßig immer der europäische Kolonialismus und die westliche Ausbeutung der afrikanischen Rohstoffe verantwortlich gemacht. In meinem Grußwort zum 50-jährigen Bestehen des SAGV habe ich in den Acta Germanica (44/2016: 29–33) geschrieben, dass diese These in postkolonialen Zeiten über 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nicht mehr so recht zu überzeugen vermöge. Nicht wenige Länder sind heute in Afrika, gemessen am per-capita-Einkommen, ärmer als vor 100 Jahren. Ich habe auch darauf hingewiesen, dass es eben gerade auch afrikanische Ökonomen seien (wie Lopes oder Shikwati), die die bisherige Entwicklungspolitik des Westens am härtesten kritisierten und (neben ökologischen Ursachen und der westlichen Agrarpolitik, die mit ihren hochsubventionierten Produkten die heimische Landwirtschaft erstickt) auch die Misswirtschaft in den betroffenen Ländern, also das Versagen ihrer politischen Eliten, dafür verantwortlich machten, dass so viele Afrikaner ihr Heil in der Flucht nach Europa suchen. Selbst aus dem vergleichsweise stabilen Senegal fliehen die jungen Männer, weil sie in ihrem Land für sich keine Zukunft sehen. Eine der weithin ignorierten Ursachen dafür ist das hohe Bevölkerungswachstum, das nur durch Familienplanung, Geburtenkontrolle, Frauenrechte zu bremsen wäre. Aber genau das „verhindern die Männer, und sie werden darin von einem konservativen Islam bestärkt“ (Grill 2016: 100), ein Befund, den ich nach einem von der Friedrich-Ebert-Stiftung geförderten Besuch senegalesischer und malischer Bildungsinstitutionen von der Vorschule bis zur Universität durch eigene Anschauung nur bestätigen kann. Der in Oxford lehrende Wirtschaftswissenschaftler Sir Paul Collier, einer der weltweit führenden Afrikaexperten, kritisiert die bisherige Praxis der sog. Entwicklungshilfe ebenfalls – „Afrika kann sich nur selbst retten“ (Collier 2016: 7: „indem wir die Afrikaner zu Opfern erklären, entmündigen wir sie“) – und plädiert ähnlich wie der Princeton-Ökonom Angus Deaton, Träger des Alfred-Nobel-Gedächtnispreises für Wirtschaftswissenschaften, für private Investitionen auf Augenhöhe, aber unter der Bedingung von Rechtstaatlichkeit, funktionierenden Institutionen und breiter Bildung.7 Nur: wo und wann können diese Bedingungen als erfüllt gelten?

21Ein Blick in den eingangs zitierten Fragile State Index kann einen in der Tat das Gruseln lehren. Staaten wie der Sudan seien vom Zerfall bedroht, heißt es dort, gegen den damals amtierenden Staatschef Umar el-Baschir hat der Internationale Gerichtshof in den Haag – unter dem Hohngelächter benachbarter Dauer-Diktatoren – Haftbefehl erlassen, weil ihm Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen zur Last gelegt werden (seit seinem Sturz wird um die Nachfolge blutig gerungen, während das Land weiter zerfällt). Auch der Präsident von Kenia, Uhuru Muigai Kenyatta, einer der reichsten Männer des Kontinents, wurde 2010 wegen Anstiftung zu Mord, Raub und Vertreibung angeklagt (die Klage wurde von der Chefanklägerin am 05.12.1014 resigniert zurückgezogen, nachdem die nötigen Beweisaufnahmen verhindert wurden). Der Oberste Gerichtshof des Landes hat aktuellen Berichten der BBC (v. 16.06.2016 http://www.bbc.com/news/world-africa-36548225) zufolge Analuntersuchungen von Männern für rechtens erklärt, um ihnen Homosexualität nachzuweisen, die in Kenia ebenso strafbar ist wie in weiteren 38 (von 54) afrikanischen Ländern; in solchen mit Scharia-Recht drohen allerlei Folter-Varianten oder Todesstrafe für Menschen, die für ihre genetische Disposition nichts können. „Nirgendwo auf der Welt“, schreibt der Berliner Tagesspiegel (v. 13.06.2013)8, „werden Homosexuelle schlimmer diskriminiert und [...] kriminalisiert als auf dem Schwarzen Kontinent“ (Abb. 2).9 Es ist augenfällig, wie sehr die Karte der fragilen Staaten (s.o. Abb. 1) der Karte jener Länder in Afrika und im Nahen Osten gleicht, die das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung am schärfsten verfolgen. Als hätten die Regierungen dort nicht wichtigere Probleme zu lösen (Unterdessen hat sich die Lage für Homosexuelle in etlichen Ländern Afrikas durch die Verabschiedung krass homophober Gesetze weiter so stark verschlechtert, dass Sonderkontingente für ihre Immigration nach Europa dringend geboten wären).

Abb. 2: Die Verfolgung sexueller Minderheiten im muslimischen Krisenbogen
                     (Stand 2016; Quelle: International Lesbian, Gay, Bisexual, Trans and Intersex
                     Association, 2016)
Abb. 2: Die Verfolgung sexueller Minderheiten im muslimischen Krisenbogen (Stand 2016; Quelle: International Lesbian, Gay, Bisexual, Trans and Intersex Association, 2016)

22Das ist nicht mit Tradition oder Kultur oder Religion zu rechtfertigen, sondern beweist mehr als nur den Mangel an Wissen und menschlicher Haltung – es ist die aggressiv-selbstgefällige Weigerung, den Stand wissenschaftlicher Erkenntnis auch nur zur Kenntnis zu nehmen; es ist der (uns im „christlichen Abendland“, zu dessen Verteidigung die Pegida-Bewegung aufruft, aus Karlheinz Deschners Kriminalgeschichte des Christentums nur zu vertraute) Missbrauch gezielt fehlgedeuteter kanonischer Schriften zu machtpolitischen Zwecken. Solange solche Eliten die falschen Prioritäten setzen, solange ihnen Selbstbereicherung und Kontrolle umstrittener religiöser Vorschriften wichtiger sind als Ernährung, Bildung und Entwicklung ihres Volkes, solange kann von good governance keine Rede sein. Und solange werden Menschen dem zu entfliehen suchen.

4. Migration und Integration

23Zum Zeitpunkt des Höhepunkts der sog. Flüchtlingskrise 2015/16 waren es 3,7 Millionen Menschen allein aus Afrika-Subsahara, die diesen Versuch unternommen haben (cf. Zahlen des Statistischen Bundesamtes). Nach Deutschland zog es dabei allerdings bislang weniger als in die ehemaligen Kolonialmächte. Die überwiegende Mehrheit von ihnen ist noch schlechter in den Arbeitsmarkt integriert als andere Flüchtlingsgruppen. Das gilt auch für die Integration in die Bildungsinstitutionen: der Anteil afrikanischer Kinder in der Hauptschule ist doppelt so hoch wie der ihrer deutschen Altersgenossen. Tun wir also genug für die Integration? Nein. Mein Plädoyer von vor 30 Jahren ist heute leider immer noch so aktuell wie damals. Die Medien tragen zu dem Negativ-Image der Afrikaner in Deutschland das Ihre bei; sie kommen zwar selten vor, aber wenn, dann rücken sie verlässlich überwiegend als Problem ins Bild. Und da die Deutschen über sie nur wissen, was sie aus den Massenmedien wissen (Niklas Luhmann), bleiben negative Kollektivsymbole haften, wie zahlreiche Untersuchungen zur Medienlinguistik bestätigt haben. Da fallen dann selbst schlicht rassistische Aussagen (wie die des AfD-Vorstandsmitglieds Gauland, demzufolge „der Deutsche“ jemanden wie den dunkelhäutigen deutschen Fußballspieler Jérôme Boateng nicht als Nachbarn wünsche), auf fruchtbaren Boden (gerade bei solchen, die sich Großverdiener wie die Brüder Boateng nie als Nachbarn leisten könnten).

24In Berlin wird das Medienbild der Flüchtlinge aus Afrika vor allem durch die Drogendealer im Görlitzer Park geprägt. Illegalität und Arbeitsverbot schränken ihren beruflichen Spielraum erkennbar ein. In der Nähe des Parks errichtete der ugandische Aktivist Patras Bwansi (der sich in seiner Heimat für die Rechte Homosexueller eingesetzt hatte und deshalb um sein Leben fürchten musste) am 12.10.2012 ein Zelt für afrikanische Flüchtlinge auf dem Kreuzberger Oranienplatz, das Jenny Erpenbeck zu ihrem Roman Gehen, ging, gegangen inspirierte, der 2015 bei Knaus erschien. Das kleine Camp von Bwansi und seinen afrikanischen Mitstreitern sollte ein Zeichen des Protestes sein gegen die immer weitere Verschärfung der Asylgesetzgebung. Erst im Juni 2014 wurde der Platz aufgrund des anhaltenden öffentlichen Drucks geräumt. Kurz darauf wurde das Zelt von Unbekannten abgefackelt.

25Kurz vorher, im Januar 2014, hatte ich im Rahmen der GiG-Tagung über Gesellschaften in Bewegung (Hess-Lüttich et al. 2016) vor dem Hintergrund fremdenfeindlicher Referenden in der Schweiz (SVP) über meine dortigen empirischen Erhebungen zur Fortbildung studienberechtigter Immigranten aus Afrika berichtet und die daraus abgeleiteten Forderungen nach einem verpflichtenden Standard-Sprachunterricht zur Verbesserung ihrer Chancen für eine berufliche Integration. Da ist inzwischen viel geschehen. In Deutschland dagegen reichen die Maßnahmen trotz der zugegebenermaßen erheblichen Anstrengungen zur Verbesserung des Angebots an Sprach- und Integrationskursen in der Zeit zwischen der Verabschiedung des Zuwanderungsgesetz 2005 und des Integrationsgesetzes Ende Mai 2016 bei weitem nicht aus. Immerhin wird meine eingangs zitierte Diagnose von vor 30 Jahren (Hess-Lüttich 1986), die sprachliche Kompetenz als Schlüsselqualifikation für die soziale Integration beschrieb, heute nicht mehr (getreu dem zitierten Mantra der christlich-konservativen Parteien: „Deutschland ist kein Einwanderungsland“) schlichtweg für irrelevant gehalten. Aber muss man Sprachunterricht und berufliche Ausbildung wirklich nur den anerkannten Asylberechtigten vorbehalten, die darauf oft Jahre lang untätig warten müssen und in Frustrationsschleifen die verrinnende Lebenszeit verdämmern? Ist es sinnvoll, in der Altenpflege dingend benötigte und bereits erfolgreich tätige afrikanische Migranten kurz vor dem Ausbildungsabschluss abzuschieben? Wären sprachliche und berufliche Kompetenzen nicht auch ein Gewinn für diejenigen, deren Asylantrag letztlich abgelehnt wird und die daraufhin in ihr Land zurückgeschickt werden? Vorausgesetzt, das Heimatland ist überhaupt bereit, sie wieder aufzunehmen, denn die Remittances, also die Überweisungen der afrikanischen Migranten an ihre Familien daheim, übersteigen (lt. Grill 2016) mit 58 Milliarden Euro per annum die jährliche Entwicklungshilfe für den gesamten Kontinent und stellen längst einen für das jeweilige Bruttoinlandsprodukt relevanten Wirtschafts- und Devisenfaktor dar. Wäre eine solche Investition – möglichst schnell, flächendeckend und in breitem europäischem Rahmen – nicht auch ein kleiner Beitrag sowohl zur Bekämpfung von ‚Fluchtursachen‘ im Ausland als auch zur Akzeptanz von lernmotivierten Fremden unter – glaubt man den alarmierenden Befunden der aktuellen Böll-Studie über die Enthemmte Mitte (Decker et al. 2016) – einer zunehmend xenophoben Bevölkerung im Inland? Wäre also die Hilfe für andere nicht zugleich Hilfe für uns selbst? Nach dem überfälligen Integrationsgesetz warten wir nun auf ein vernünftig ausgestaltetes Einwanderungsgesetz, das den Namen verdient. Die Regierung hat es im Sommer 2018 auf Druck der SPD nun endlich angekündigt.(Die mittlerweile regierende Ampelkoalition von SPD, Grünen und FDP hat sich im Juni 2023 nun endlich auf ein seit geraumer Zeit überfälliges "Fachkräfteeinwanderungsgesetz" geeinigt, das man immerhin als einen ersten Schritt in die richtige Richtung verstehen kann.)

5. Sprache und Beruf

26Einen ersten Entwurf dafür hatte sie bereits im Herbst 2016 vorgelegt, in dem sie sich an dem kanadischen Modell orientiert. Das ist gut gemeint, aber noch nicht ausreichend vorbereitet durch eine seriöse Erforschung der tatsächlichen Lage der Migranten hierzulande. Über die Situation z.B. afrikanischer Flüchtlinge der letzten Jahre, die aus z.T. extrem unterschiedlichen Ausgangslagen bei uns Zuflucht suchen, ist noch viel zu wenig bekannt. Dazu müssten mehrere Disziplinen noch enger kooperieren, die sich den sozialen, ökonomischen, kulturellen, religiösen, ethnologischen, psychologischen, pädagogischen und eben auch linguistischen Bedingungen ihrer Integration befassen. Schon terminologisch herrscht in der öffentlichen Berichterstattung über die „68 Millionen Menschen auf der Flucht“ (heute, wie gesagt, über 110 Millionen) einige Verwirrung. Erst allmählich schält sich eine Differenzierung heraus zwischen Emigranten, Immigranten, Vertriebenen, Binnenvertriebenen (internally displaced people, die innerhalb ihres Landes auf der Flucht sind und es nicht über die Grenzen schaffen) und Flüchtlingen oder Geflüchteten im engeren Sinne des Völkerrechts. Infolge der Kriege im Irak und in Afghanistan, der Bürgerkriege in Syrien, Libyen oder Somalia, der Krisen und Katastrophen in den failing states vor allem des afrikanischen Kontinents hat die Neu-Anzahl von Flüchtlingen 2015/16 einen neuen Höchststand erreicht (Von den mehr als einer Million Flüchtlingen aus der Ukraine aufgrund des russischen Angriffskrieges ahnte man damals noch nichts, nicht zuletzt, weil die verantwortliche Politik die bedrohlichen Vorzeichen seit der russischen Annexion von Krim und Donbass 2014 beharrlich ignorierte). Die Genfer Flüchtlingskonvention, auf die sich z.B. auch das deutsche (und schweizerische) Asylrecht beruft, macht die für den Umgang mit Asylbewerbern juristisch bedeutsame Unterscheidung zwischen Personen, die wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, sozialen Gruppe oder politischen Überzeugung verfolgt werden und solchen, die für sich in ihrer Heimat einfach keine Existenzgrundlage mehr sehen, nicht immer leicht, zumal wenn in der Praxis politische Bedrohung und materielle Not in den heute von Flüchtlingsbewegungen besonders betroffenen Gebieten der low income countries meist so eng miteinander verflochten sind wie z.B. in der Zentralafrikanischen Republik, in Äthiopien, Somalia, Côte d'Ivoire, Guinea, Ghana, Mali, Moçambique, Sudan, Süd-Sudan, Tschad, Zimbabwe, Uganda, Kongo, Nigeria, Tansania usw.

27Dennoch müssten nicht alle notwendigerweise das komplizierte Asylverfahren nach § 16 GG durchlaufen, meint Bischof Wolfgang Huber, Mitglied des Nationalen Ethikrats, in einem Interview mit Evelyn Finger (in: Die Zeit 33 v. 10.08.2017: 46). Bürgerkriegsflüchtlinge zum Beispiel genießen in der EU subsidiären Schutz, ohne dass sie ihre Schutzwürdigkeit eigens beweisen müssen. Die Flüchtlingswellen unterscheiden sich zudem in ihrer inneren Struktur. In jüngerer Zeit etwa kamen mehrheitlich junge Männer, auch minderjährige unbegleitete Jugendliche, oft von ihren Familien entsandt, die für die Schlepper und Schleuser ihr Letztes gegeben haben. Sie stellen möglicherweise andere Anforderungen an die Planung von Integrationsmaßnahmen als z.B. die zuvor im Zuge der Aids-Katastrophe geflohenen Frauen, Kinder, Alten, Behinderten. Nicht wenige der jungen Männer und Jugendlichen sind durch Kriegs- oder Fluchterlebnisse schwer traumatisiert, wenn sie auf oft dramatische Weise, wie sie in der seriösen Presse in bewegenden Reportagen mehrfach beschrieben haben, ihren Weg nach Mitteleuropa gefunden haben.10 Frauen sind oft in der paradoxen Situation, als Familienvorstände und durch berufliche Qualifikation ihre Familien versorgen zu müssen, was ihnen Rollenverständnis und kulturelle Tradition zuvor verboten. Kulturelle Tabus spielen je nach regionaler und sozialer Herkunft eine unterschiedliche und für viele Integrationshelfer oft nur schwer durchschaubare Rolle. Die heutigen Flüchtlingslager sind ein Symbol des Scheiterns bisheriger Konzepte; sie bilden höchst künstliche Gemeinschaften, in denen nahezu zwangsläufig Spannungen und Konflikte entstehen. Ob das in den geplanten ‚Ankerzentren‘ anders wird, bleibt abzuwarten, in Struktur und Funktion sind es ja nach wie vor Lager für Flüchtlinge. Außerdem werden sie auch noch von außen bedroht durch fremdenfeindliche Übergriffe rassistischer Deutscher – über 1000 registrierte das BKA allein im Jahr 2015, seither dürfte sich die Größenordnung kaum wesentlich verändert haben.11 Die Diskussion darüber gewinnt nach einem kurzen Spätsommer der ‚Willkommenskultur‘ im Zeichen zunehmender rechtspopulistischer Strömungen an Brisanz. Nach den xenophoben Ausschreitungen gegen Schwarze und Fremde jeder anderen Couleur in Deutschland oder dem publizistischen Dauerhagel der berüchtigten FPÖ- und SVP-Kampagnen gegen Schwarze in Österreich und der Schweiz (cf. Hess-Lüttich 1997; id. 2011) darf das Feld nicht denen überlassen werden, die als selbsternannte ‚Verteidiger des christlichen Abendlandes‘ biblische Basis-Sätze verhöhnen (z.B. Math. 25, 35: „Ich bin ein Fremder gewesen, und Ihr habt mich aufgenommen“) und erschütternden Bildern von ertrinkenden Bootsflüchtlingen zynisch applaudieren. Sie sind im Begriff, die Grenzen des Sagbaren zum Unsäglichen zu verschieben und damit den politischen Diskurs selbst im demokratischen Spektrum zu vergiften, wenn bayrische CSU-Politiker nicht müde werden, denunziatorische Ausdrücke wie ‚Asyl-Tourismus‘ (Markus Söder) oder ‚Anti-Abschiede-Industrie‘ (Alexander Dobrindt) gebetsmühlenartig so lange zu wiederholen, bis sie genau jene Xenophobie verstärken, von der sich die Polit-Christen dann scheinheilig distanzieren. Die Bemühungen um die Integration der Fremsden muss in einem solchen politischen Umfeld noch einmal verstärkt werden, was unweigerlich zur nächsten Frage führt: Was genau bedeutet ‚Integration‘? Was ‚Anpassung‘? Wie verhält sich die oft erhobene Forderung nach Assimilation an die Kultur des Gastlandes zu dem ebenfalls vielfach geforderten Respekt vor der kulturellen Identität des Gastes? Können die Ziele der Integration und die Bewahrung der Identität gleichzeitig verfolgt und erreicht werden? Solche und ähnliche Fragen werden heute meist im Hinblick auf die muslimischen Immigranten aus dem arabischen Raum gestellt; sie gelten aber auch für die (sei es aus islamfeindlichen, sei es aus rassistischen Gründen) nicht minder diskriminierte Gruppe von Flüchtlingen aus Afrika.

28Eine vertiefte Diskussion der Begrifflichkeit im Wortfeld von ‚Assimilation‘, ‚Akkulturation‘, ‚Adaptation‘, ‚Integration‘, ‚Enkulturation‘, ‚Identität‘ usw. muss ich mir an dieser Stelle versagen (s. dazu bereits Hess-Lüttich 1986). Hier nur ein Stichwort: 'Identität' bildet sich in kultursoziologisch-ethnographischer Sicht aus in der individuell-personalen Balance kultureller und sozialer Faktoren als der Kontinuität des Sich-Selbst-Erlebens und des Selbst-Ausdrucks in sozialisatorischen Prozessen symbolischer Interaktion, womit die Verbindung zur Sprache als dem Medium, in dem sich Sozialisation und Identitätskonstitution wesentlich vollzieht, zugleich notwendig impliziert ist. Insofern ist es für einen identitätstheoretisch formulierten Ansatz der Erforschung interkultureller Kommunikation plausibel, diesen Ausgangspunkt als interdisziplinären Berührungspunkt zu verstehen, an dem sich die Interessen der Anthropologen am Kulturwechsel, der Psychologen an der Identitätserweiterung, der Pädagogen an der Sozialisationserfahrung, der Soziologen an gesellschaftlichen bzw. gruppenspezifischen Bedingungen, der Ökonomen an den Möglichkeiten der beruflichen Eingliederung, der Linguisten am Sprachwechsel und Spracherwerb der zu integrierenden Migranten und aufzunehmenden Flüchtlinge begegnen können. Sich dieses positiven Begriffsinhalts erneut zu vergewissern, ist in Zeiten unerlässlich, in denen sog. ‚Identitäre Bewegungen‘ selbstbewusst öffentliche Diskursmacht beanspruchen.

29 Die derzeit dringend gebotene Ausweitung des Angebots von Sprach- und Integrationskursen für die Fremden ist indessen schon wieder bedroht, und zwar von (mindestens) drei Seiten, einer politischen, einer fachlichen und einer technischen. Politisch durch das Zögern, gegen den Druck der neuen Rechten dafür auch die nötigen Mittel bereit zu stellen. Fachlich durch den Mangel an einschlägiger Qualifikation der dafür zügig auszubildenden Lehrkräfte. Technisch durch die Verbreitung automatischer Übersetzungsprogramme (von Konzernen wie Google oder OpenAI), die nicht wenigen Jugendlichen das Erlernen fremder Sprachen entbehrlich erscheinen lassen. Alle neueren Konzepte eines handlungsorientierten Fremdsprachenunterrichts stimmen heute darin überein, dass er neben sprachlichen Fertigkeiten zugleich Wissen über die fremde Kultur des Landes der Zielsprache zu vermitteln habe. Der Fortschritt in der Erforschung der Stadien des Fremdsprachenerwerbs droht freilich in jüngster Zeit zu einem neuerlichen linguistischen Reduktionismus zugunsten ökonomistischer Modulbaukästen (und jede Eigenkreativität abtötenden Sprachergänzungsalgorithmen) zu führen, den man mit der ‚pragmatischen Wende‘ auch im Sprachunterricht längst überwunden glaubte, dessen Praxis sich nicht selten lange vor seiner Theorie durch die Reflexion der soziokulturellen und psychopädagogischen Prämissen des Akkulturationsprozesses auszeichnete.

30 Erst das Bewusstsein solcher Prämissen und ihre methodische Berücksichtigung in der Sprachvermittlung begründet den pädagogischen Prozess als dialogischen, der zu angstlösender Verhaltenssicherheit und zu erfolgreichen Strategien kommunikativen Handelns zu führen vermag. Denn Integration und Akkulturation gerade der afrikanischen Flüchtlinge in Deutschland bedeutet für beide Partner dieses Dialogs die differenzierte Auseinandersetzung mit kulturspezifisch internalisierten Denkstrukturen, Wahrnehmungsmustern, Interpretationsschemata, Ritualen, Tabus und sozialen Richtwerten, die entsprechende Verhaltensanforderungen und -erwartungen begründen, deren Nicht-Erfüllung erhebliche Wert- und Verständigungskonflikte auszulösen geeignet ist, wenn es nicht gelingt, die notwendige Umstrukturierung kulturspezifischer Prämissensysteme und Relativierung sozialisatorisch sedimentierter Vor-Urteile sowohl kognitiv als auch emotiv zu verarbeiten (cf. Hess-Lüttich et al. eds. 2013).

31Für den Sprachunterricht mit den afrikanischen Jugendlichen und Studenten hat diese Zielbestimmung curriculare und methodische Konsequenzen. Im Vergleich mit südostasiatischen Migranten, die sich eher für das grammatische System der Sprache interessieren und selten zu spontanen Äußerungen oder zum ‚Erzählen‘ im Unterricht (cf. Ehlich ed. 1984) zu bewegen sind, gewinnt nach Auskunft der Lehrer für die afrikanischen Jugendlichen und Studenten das Kriterium der Verständigungsfähigkeit neben dem der formalen Korrektheit an Bedeutung, rücken gruppensprachliche Varietäten und alltagssprachliche Register ins Blickfeld, finden die Unterschiede zwischen gesprochener und geschriebener Sprache besondere Beachtung, kann die größere Bereitschaft zum Risiko in spontanen Äußerungen zum spielerischen Einschleifen ritueller Dialogmuster genutzt werden.

32Vor einer Überstrapazierung dieser Einsichten in der Praxis der Sprachvermittlung ist indes zu warnen. Allzu nachsichtige Duldsamkeit gegenüber grammatischen Fehlern – etwa im Sinne einer oberflächlich angestrebten ‚kommunikativen Kompetenz‘ innerhalb der peer group – erweist sich als ebenso nachteilig für den (im Blick auf die soziale und berufliche Integration) erfolgreichen Spracherwerb wie die zuweilen geäußerte Vermutung, Kenntnisse der schriftsprachlichen Normen würden die Verständigung im direkten Alltagsgespräch mit Einheimischen eher behindern und könnten den Ausländer in den Verdacht eines etwas verschrobenen Konservativismus geraten lassen. Tatsächlich dürften ihm hyperkorrekte Formen eher nachgesehen werden als ein mit Gesprächsfloskeln und Phraseologismen pseudo-routiniert befrachtetes ‚Kiezdeutsch‘ auf niedrigem Sprachniveau, für das sich einige Linguisten heute stark machen zu sollen glauben. Für die Potsdamer Linguistin Heike Wiese (2012) etwa ist das Kiezdeutsch „[...] ein Beispiel für eine besonders gelungene sprachliche Integration: ein neuer, integrativer Dialekt, der sich im gemeinsamen Alltag ein- und mehrsprachiger Jugendlicher, deutscher ebenso wie anderer Herkunft, entwickelt hat“.12 Ich empfehle da nach wie vor die Orientierung an Harald Weinrich: Man sollte „nicht aus übertriebener Scheu vor dem Geruch des Elitären die gepflegte, an der Schriftsprache orientierte Zweckprosa gering schätzen, wie sie von geübten Rednern im öffentlichen Gebrauch gesprochen und auch weithin geschrieben wird.“13 Das wäre vielleicht eher im Interesse eines erfolgreichen Studiums und der gelingenden beruflichen Integration, solange Personalchefs die Beherrschung des Kiezdeutsch oder der Kanak Sprak nicht als Ausdruck besonderer sprachlicher Kreativität zu würdigen wissen. In den Worten von Yasmina Reza (anlässlich der Vorstellung ihres neuen Romans Babylon): „In der Verballhornung der Sprache, im Gruppenjargon manifestiert sich die Ablehnung der Integration. Die Parallelsprache konstituiert die Parallelgesellschaft“ (zit. n. Der Spiegel 32 v. 05.08.2017: 115).

33Die Forderung, Bedürfnisse und Probleme der Schüler zur Leitkategorie kommunikativ orientierten Unterrichts für Ausländer zu erheben, ist ja unter dem Eindruck systematischer Lehrwerkkritik in den letzten Dekaden sehr konkret in die Konzeption von Lehrwerken eingegangen. Ein Ergebnis war bekanntlich die Entwicklung adressatenspezifischer Lehrangebote, um den Lernerfolg gegenüber den früheren Einheits-Sprachkursen gezielt zu verbessern. Solche Konzepte wählten oft programmatisch die ‚reale Lebenssituation‘ der Schüler zum Ausgangspunkt, denen es nicht nur die Sprache als morphosyntaktisches System und lexikalisches Repertoire, sondern auch als Mittel der Problemlösung in Alltagssituationen zu vermitteln gelte: ihre sozialen Erfahrungen in der fremden Gesellschaft in bestimmten kommunikativen Konstellationen sollten im Vergleich mit und vor dem Hintergrund von entsprechenden Konstellationen im Heimatland aufgearbeitet, die sprachliche Vorerfahrung nutzbar gemacht und fruchtbar fortentwickelt werden.

34Solche Konzepte basieren jedoch bis heute überwiegend auf den Erfahrungen mit ausländischen Arbeitnehmern aus Süd-, Ost- und Südosteuropa und sind nicht ohne weiteres auf den Sprachunterricht mit Afrikanern übertragbar. Auch im Hinblick auf die sprachlichen und kulturellen ‚Vorerfahrungen‘ gelten völlig andere Bedingungen: im ‚ungesteuerten Spracherwerbsprozess‘ unter den peers der eigenen jugendlichen gang gelernte Deutschkenntnisse à la 'Kiezdeutsch' sind bei gerade eingereisten afrikanischen Flüchtlingen ebensowenig vorauszusetzen wie entsprechende Handlungsroutinen im Umgang mit Institutionen oder Kollegen am Arbeitsplatz.

35Auch die durchaus plausible Empfehlung an die Lehrer, die Herkunftssprachen ihrer Schüler zu lernen, um exemplarische Kommunikationsmuster mit bestimmten Sprechhandlungen im Kontrast zu den muttersprachlichen Äquivalenten verknüpfen zu können, ist im Hinblick auf einen Adressatenkreis entsprechend zu modifizieren, für den das Deutsche in aller Regel eben nicht ‚Zweitsprache‘ ist, sondern Dritt- oder Viertsprache nach dem Erwerb der Muttersprache (des Stammesdialektes), der regionalen Verkehrssprache (z.B. Swahili, Wolof, Bambara, Fulfulde), der Kolonialsprache (z.B. Englisch, Französisch, Portugiesisch). Unbeschadet dieser Einschränkung gibt die Kenntnis der heimatsprachlichen Äquivalente dem Lehrer in der Tat nicht nur Hinweise auf die kulturspezifischen Problemlösungsstrategien in jeweiligen Handlungsbereichen, sondern auch sehr wichtige Erklärungen bestimmter sprachlicher Defizite, die u.U. für eine ethnische Gruppe seiner Schüler spezifisch ist.

36Zwar besteht Einigkeit über das Ziel der Erziehung zu einer ‚bikulturellen Handlungskompetenz‘, die zugleich der stets drohenden Identitätsdiffusion entgegenwirken und die Integration fördern solle und überdies zur Interaktion der Ausländer verschiedener Herkunft in multikulturellen Gemeinschaften beitragen könne. Aber nach wie vor verfügen die wenigsten Lehrer über ausreichende Kenntnisse über die soziokulturellen Hintergründe ihrer Schüler, um deren psychische Probleme, sprachliche Interferenzen, soziale Barrieren angemessen würdigen zu können. Voraussetzung dafür ist jedoch zum einen die Möglichkeit und Bereitschaft zur Fort- und Weiterbildung (die zu ermöglichen wiederum politische Entscheidungen voraussetzt, die den wohlfeilen bildungspolitischen Lippenbekenntnissen Taten folgen ließen), zum anderen aber auch die Bereitschaft der Lehrer zur Redefinition ihrer eigenen Rolle und zur Überprüfung der eigenen Wertorientierungen und Handlungsmaximen. Einen ersten Zugang eröffnet dabei oft schon die Kenntnis der Herkunftssprache des Schülers, weil sie nicht nur dem Lehrer zum besseren Verständnis interferenziell bedingter Fehlertypen dienen kann, sondern umgekehrt von den Schülern als Indiz für die Bereitschaft des Lehrers begriffen wird, ihre kulturelle Identität ernst zu nehmen und nicht nur als störendes oder retardierendes Moment in Lernprozessen zu empfinden. Für das Türkische mag das heute vielerorts gelingen, für die Unzahl afrikanischer Herkunftssprachen wäre eine solche Forderung jedoch unrealistisch.

37Im Vergleich mit den aufgrund der Obligatorik (gemäß Zuwanderungs- und Integrationsgesetz) relativ großen Anstrengungen zur Förderung des Sprachunterrichts für ausländische Kinder und Arbeitnehmer, fällt auf, dass der Gruppe der ausländischen Jugendlichen, geschweige denn der afrikanischen, weit weniger Aufmerksamkeit (auch in der Forschung) geschenkt wird. Noch geringer, scheint mir, ist der Stellenwert des Deutschunterrichts für diese Gruppe im Rahmen der beruflichen Bildung zu veranschlagen. Dabei ist hier der Handlungsbedarf angesichts der Probleme nicht nur bei den Migranten, sondern auch bei den Deutschen der sog. ‚dritten Ausländergeneration‘ nicht mehr zu übersehen. Die Berechnungen des Instituts für Arbeits- und Berufsforschung, wonach der größte Teil der hier geborenen ‚Gastarbeiterkinder‘ der sog. ‚zweiten Generation‘ die Berufsschule in den 1980er Jahren absolviert haben und der Anteil der im Berufsschulbereich zu versorgenden Jugendlichen der ‚dritten Generation‘ bis zur Jahrtausendwende abschmelzen werde, haben sich durchweg längst als falsch herausgestellt. Überdies haben diese Berechnungen den Anteil der jugendlichen Asylberechtigten aus Afrika, die in ihrem Heimatland bereits ein Studium begonnen oder eine Berufsausbildung abgeschlossen haben, überhaupt nicht berücksichtigt. Ihre statistisch (noch) geringere Bedeutung verkleinert aber nicht ihre Probleme, die ebenfalls dringend der Lösung bedürfen, zumal im Zeichen politisch-demographisch zunehmend notwendiger Immigration im Innern und entwicklungspolitischer Neuorientierung nach außen. Erste Initiativen wie das Here-Projekt in Bremen (Higher Education for Refugees Entrance), in dem ab 2017 zunächst 60 Flüchtlinge sprachlich auf ein Studium bzw. eine gehobene Berufsausbildung vorbereitet werden, setzen richtige Akzente (allerdings stehen den 60 Ausbildungsplätzen schon jetzt 6000 Bewerber gegenüber).

38Trotz der seit längerem erkennbaren Brisanz des Problems (s. bereits Grundmann 2001) spielt das Fach Deutsch noch immer eine eher unbedeutende Nebenrolle in der beruflichen Erstausbildung, weil besonders im gewerblich-technischen Bereich eher Formen der nicht-sprachlichen Kommunikation überwiegen, mittels derer etwa praktische Fertigkeiten (durch Imitation), technisches Wissen (Schaubilder) oder Arbeitsprozesse und -prognosen (Berechnungen) eingeübt und vermittelt werden. Daraus wird oft der voreilige Schluss gezogen, dass ‚Sprache‘ in der Berufsausbildung kein entscheidendes Selektionskriterium darstellen dürfe; vielmehr seien deutsche und ausländische Jugendliche gleichermaßen ausschließlich nach ihren instrumentellen Fertigkeiten zu beurteilen und nicht durch die Berücksichtigung der Variable ‚Beherrschung der deutschen Sprache‘ zusätzlich in ihren beruflichen und sozialen Chancen zu benachteiligen. Eine fatale Fehleinschätzung, wie sich mittlerweile nicht nur nach Auffassung der Industrie- und Handelskammern und Mittelstandsvereinigungen herausgestellt hat, die seit längerem die mangelnde Sprachkompetenz sogar der muttersprachlichen Berufsschüler beklagen, geschweige denn der fremdsprachigen Altersgenossen, mit denen sie um Arbeitsplätze konkurrieren.

39Die Zahl berufsschulpflichtiger Jugendlicher, die aufgrund zu geringer Deutschkenntnisse beruflich nicht ausbildungsfähig sind, steigt statt zu sinken. Durch die große Zahl der Migranten und Flüchtlinge verschärft sich gegenwärtig die Situation. Wenn diese Jugendlichen, oft auch noch ohne hier anerkannten Schulabschluss oder einen entsprechenden Qualifikationsnachweis, nicht dauerhaft zum Status des ungelernten (Hilfs)-Arbeiters, Bürgergeld-Empfängers oder Ein-Euro-Jobbers verdammt und entsprechend sozialer Geringschätzung überantwortet bleiben sollen, dann müssen sie von uns Deutschen (oder Österreichern oder Schweizern) zunächst überhaupt in den Stand gesetzt werden, sich selbst zu helfen.

40Dazu wäre der Sprachunterricht an berufsbildenden Schulen durch ein gezieltes Training identitätsstabilisierenden Verhaltens in solchen Situationen des gesellschaftlichen Umgangs zu ergänzen, in denen ausländische Jugendliche, zumal solche aus weiter entfernten Kulturräumen wie Afrika, sich auch aufgrund ihrer sprachlichen Defizite (von rassistischen Vorurteilen einmal ganz abgesehen) zunehmend offener Diskriminierung ausgesetzt sehen: im Umgang mit Behörden, mit dem Arbeitsamt, der Krankenkasse, der Ausländerpolizei, dem Bezirksamt, den Vermietern usw. Dringend vonnöten wäre auch die bessere Organisation von Deutschkursen in betrieblichen Ausbildungsstätten selbst. Viele Betriebe haben inzwischen gute Erfahrungen mit dem Versuch gemacht, Werkstatt- oder Fachkundeunterricht mit Sprachunterricht zu kombinieren. Dies hätte den Vorteil der direkten Anschaulichkeit, weil bei dem unmittelbaren Erfahrungshorizont des Schülers in der Arbeitssituation angesetzt werden kann, aber auch den Nachteil der mangelnden linguistischen Schulung der Ausbilder, weil eine pädagogisch und didaktisch zu wünschende Doppelbesetzung für ein team-teaching von Sprach- und Werkstattlehrer in aller Regel am Personalmangel und an der Finanzierungsfrage zu scheitern pflegt. In der Praxis beschränkt sich ein solcher (vielleicht etwas hochstapelnd so genannter) „ganzheitlicher Unterricht“ in der Regel leider nur auf die Vermittlung einiger Fachausdrücke.

41Lehrkräfte an Berufsschulen sind auf den Unterricht in Klassen mit hohem Ausländeranteil noch immer weder linguistisch noch methodisch vorbereitet. Deshalb müsste die Fort- und Weiterbildung der Lehrkräfte zur Qualifikation für den Unterricht mit ausländischen Jugendlichen, die Erhöhung der Stundenzahl im Fach Deutsch und die Einbeziehung der Sprachvermittlung in jedes andere Unterrichtsfach sowie die Reduktion der damit natürlich einhergehenden Mehrbelastungen der Lehrkräfte durch eine ausgleichende Ermäßigung ihrer Pflichtstundenzahl finanziert werden. Die Vorschläge zur Lösung solcher Problembündel liegen seit langem auf dem Tisch. Sie müssten nur endlich umgesetzt werden. Zugleich erfordern sie die wissenschaftliche Begleitung neuer Tätigkeits- und Anwendungsfelder (cf. Hess-Lüttich et al. 2009), weil sie im Kern unser Fach betreffen, dem hier neue Aufgaben zuwachsen, insofern man sich künftig noch intensiver um die Erforschung von Fachtextnetzwerken, die Diskursanalyse der Arbeitswelt und die Vermittlung fachsprachlicher Anteile wird kümmern müssen, wenn die Ziele sozialer und beruflicher Integration (als Bedingung auch psychischer Identitätskonsolidierung) nicht isoliert voneinander verfolgt werden sollen.

42Das Schicksal mancher ausländischen Arbeitnehmer mit abgeschlossener Berufsausbildung, die im Heimatland oft geachtete Positionen im sozialen Gefüge ihrer Gemeinde innehatten, erleben aufgrund der Nicht-Anerkennung ihrer Abschlüsse und Zeugnisse, aber auch wegen mangelnder Sprachkenntnisse, oft einen sozialen Abstieg (wie der syrische Ingenieur, der Taxi fährt; die iranische Ärztin, die als Krankenschwester arbeitet), den sie vielfach trotz vielleicht ökonomischer Verbesserung als persönliches Scheitern empfinden, was ihnen freilich oft auch durch die Reaktion der deutschen Umwelt und der heimischen Verwandtschaft nahegelegt wird, die als individuelles Versagen anlastet, was eigentlich Ergebnis unzureichender Förderung oder mangelnder Integrationsbereitschaft der Residenzgesellschaft ist – also der Bereitschaft von uns, die Afrikaner wirklich zu integrieren oder ihnen eine angemessene Qualifikation für ihre Rückkehr in die Heimat mitzugeben. Erst das wäre Einwanderungspolitik und Entwicklungspolitik.

6. Hoffnung auf Integration!

43Wenn Hamad Abdel-Samad 2018 das Scheitern der Integration ausländischer Zuwanderer konstatiert, dann hat das auch mit der Unentschlossenheit der Regierungen in Bund und Ländern zu tun (gleich welcher Couleur). Dabei hat das Problem des Bedingungszusammenhangs von Migration und Integration seit der sog. Flüchtlingskrise erst ins grelle Licht des öffentlichen Bewusstseins gerückt, was sich seit Jahrzehnten angebahnt hat als Folge von sozialpolitischen Versäumnissen, unklaren Rechtsrahmen, unverbindlichen Regelvorgaben, uneinheitlichen Verfahrensweisen, mangelhafter Koordination und Informationsverarbeitung. Inzwischen hat die Integrationsfrage gesellschaftliches Spaltungspotential. Deshalb veranstaltet die Regierung von Zeit zu Zeit neben der Islam-Konferenz einen sog. Integrationsgipfel, zu dem alle Migrantenverbände ihre Position einbringen können sollen. Aber so wie bei der Islam-Konferenz zugelassen wurde, dass nicht die integrationsbereiten Muslime das Wort führen, sondern die Repräsentanten der von der türkischen Religionsbehörde (Diyanet İşleri Başkanlığı) gesteuerten Islamverbände (s. Schreiber 2017; Wagner 2018), so wird auch bei dem Integrationsgipfel eher auf die Vertreter der Neuen Deutschen Organisationen (NDO) gehört, die sich überwiegend als Interessengemeinschaft derjenigen Immigranten verstehen, die im Namen eines politischen Islams der europäischen Werteordnung distanziert bis kritisch gegenüberstehen. Unter den rund 50 Migrantenorganisationen, die am 10. Integrationsgipfel im Sommer 2018 teilgenommen haben, waren jedoch auch solche, die wie die Bundesarbeitsgemeinschaft der Immigrantenverbände in Deutschland (Bagiv), zu der auch das Netzwerk der Afrikanischen Verbände zählt, die Immigration nicht nur als Einbahnstraße sehen, auf der Forderungen an die Regierung herangetragen werden, sondern als Bereitschaft, sich im Rahmen der dort geltenden Regeln aktiv in die Residenzgesellschaft einzubringen und zum Gelingen der Integration auch eigene Beiträge zu leisten, etwa in Form der selbstkritischen Prüfung antisemitischer Tendenzen in den eigenen Reihen.

44Ali Ertan Toprak, der in Ankara geborene Sprecher von Bagiv, kritisiert die indifferente Haltung der Regierungsverantwortlichen und plädiert nachdrücklich für die Integration in eine neue Heimat, nicht als geschützten Hort einer rückwärtsgewandten Parallelgesellschaft, sondern als Zukunftsgemeinschaft, „die auch von Zuwanderern und ihren Kindern gestaltet wird“ (Toprak 2018: 54). Der in Israel geborene Palästinenser Ahmad Mansour wird nicht müde, sich in Büchern und in den Medien für eine klarere Haltung gegenüber dem politischen Islam einzusetzen, um nicht zuletzt denen den Boden zu entziehen, die mit islamophoben Parolen ihr trübes Geschäftsmodell befeuern (cf. Mansour 2018). Hat etwa der Rechtspopulismus mit seinen wohlfeilen Rezepturen (‚völkische Reinheit‘, ‚Deutschland den Deutschen‘, ‚Dar Islam gehört nicht zu Deutschland‘ usw.) die bessere ‚Alternative für Deutschland‘? Ich fürchte eher, das wäre eine Rückabwicklung des Prozesses der Zivilisation, wie ihn Norbert Elias einst beschrieben hat.

45Nein, ‚robuste Zivilität‘ (Timothy Garton Ash) verlangt Einsatz und Klarheit, auf beiden Seiten. Gleiches Recht für alle, Deutsche und ‚Neu-Deutsche‘, aber keine Sonderregeln, die aus transzendenten Sphären abgeleitet werden, die ihrerseits keiner Rechtfertigungspflicht unterworfen sind. Vor ‚Parallelgesellschaften‘ wird politisch immer wieder gewarnt, aber die haben sich längst gebildet. Sie wären für sich genommen, meint eine Zeit-Autorin mit äthiopischem Migrationshintergrund (Bogner 2018: 52), noch nicht gefährlich, wenn sie als soziale Rückzugsräume verstanden werden, die auch wohlhabende Bildungsbürger für sich in Anspruch nehmen, die sich gegenüber anderen sozialen Milieus abschotten. Sophia Bogner hält daher Assimilation für überflüssig, es reiche doch, „einander friedlich zu ignorieren“ (ebd.). Wirklich? Erstirbt der Dialog zwischen den sozialen Domänen, zerfällt die Gesellschaft in monadische Fragmente.

46Oder ist Assimilation die Bedingung nachhaltiger Integration? Eine deutliche Mehrheit der Bevölkerung, darunter rund 23 % mit Migrationshintergrund, plädiert jedenfalls einer aktuellen Studie der Bertelsmann-Stiftung zufolge eher für eine Anpassung der Zuwanderer an die Mehrheitskultur als für ein Zusammenwachsen der Kulturen, was freilich bereits eine Mehrheit der unter 40-jährigen findet.14 Entwickelt sich etwa die „Leitkulturgesellschaft“ am Ende doch noch zu einer „Multikultigesellschaft“ (Finger 2018: 48)? Kommt darauf an: Wenn Multikulturalismus im romantischen Sinne ein striktes Neutralitätsgebot politischen Handelns impliziere, sei er Miller (2018)15 zufolge weder politisch praktikabel noch moralisch erforderlich; wenn er aber Rücksicht auf Normen und soziale Richtwerte von (fremdkulturellen) Minderheiten bedeute, sei er notwendig und moralisch geboten, sofern und soweit, füge ich hinzu, der für alle gleichermaßen verbindliche Rechtsrahmen unberührt bleibt. Wenn der Multikulti-Irrtum (Ateş 2008) also kein Irrtum werden (oder bleiben) soll, bedürfte es eines – möglichst europäisch koordinierten, normativ gesetzten und auch durchgesetzten – regulativen Rahmens, innerhalb dessen Identität und Integration sich nicht gegeneinander ausspielen lassen. Der Schlüssel dafür ist das Primat säkularen Rechts und die Möglichkeit der Verständigung durch Sprache.

7. Literaturverzeichnis

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  2. Asserate, Asfa-Wossen 2021: Wer Hat Angst vorm schwarzen Mann? Eine persönliche Wortmeldung, München: dtv
  3. Ateş, Seyran (2008): Der Multikulti-Irrtum. Wie wir in Deutschland besser zusammenleben können, Berlin: Ullstein
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  5. Berbner, Bastian, Malte Henk & Wolfgang Uchatius (2018): „Der afrikanische Fluch“, in: Die Zeit 26 v. 21.06.2018: 13–16
  6. Bogner, Sophia (2018): „Warum müssen sich immer alle anpassen?“, in: Die Zeit 23 v. 30.05.2018: 52
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  11. Decker, Oliver, Johannes Kiess & Elmar Brähler (eds.) (2016): Die enthemmte Mitte. Autoritäre und rechtsextreme Einstellung in Deutschland, Gießen: psychosozial-Verlag
  12. Deschner, Karlheinz (1986–2013): Kriminalgeschichte des Christentums, 10 vols., Reinbek: Rowohlt
  13. Ehlich, Konrad (ed.) )1984): Erzählen in der Schule, Tübingen: Narr
  14. Elias, Norbert [11939] (1976): Über den Prozeß der Zivilisation. Soziogenetische und psychogenetische Untersuchungen, 2 vols., Frankfurt/Main: Suhrkamp
  15. Emcke, Carolin (2014): „Flüchtlinge in Deutschland: Willkommen in der Fremde“, in: Zeit Magazin 10 v. 27.02.2014: 14–23
  16. Emcke, Carolin (2016): Gegen den Hass, Frankfurt/Main: S. Fischer
  17. Finger, Evelyn (2018): „Wie viel Anpassung muss sein?“, in: Die Zeit 24 v. 07.06.2018
  18. Grill, Bartholomäus (2016): „Nichts wie weg“, in: Der Spiegel 45 v. 05.11.2016: 98–100
  19. Grundmann, Hilmar (2001): Wie viel Deutschunterricht brauchen Berufsschüler? Die Geschichte eines umstrittenen Faches, Frankfurt/Main etc.: Peter Lang
  20. Habermas, Jürgen (1991): Erläuterungen zur Diskursethik, Frankfurt/Main: Suhrkamp
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  22. Hess-Lüttich, Ernest W.B. (1986): „Sprachliche Bildung und berufliche Integration afrikanischer Flüchtlinge. Mit einem Exkurs ins Swahili“, in: id. (ed.) 1986: 107–126.
  23. Hess-Lüttich, Ernest W.B. (ed.) (1986): Integration und Identität. Soziokulturelle und psychopädagogische Probleme im Sprachunterricht mit Ausländern, Tübingen: Gunter Narr.
  24. Hess-Lüttich, Ernest W.B. (1997): „Reden über die Fremden: Zum schweizerischen Migrationsdiskurs in der öffentlichen und institutionellen Kommunikation“, in: Bernd Scheffer (ed.) 1997: Medien und Fremdenfeindlichkeit, Opladen: Leske + Budrich, 193–224.
  25. Hess-Lüttich, Ernest W.B., Peter Colliander & Ewald Reuter (eds.) (2009): Wie kann man vom ‚Deutschen‘ leben? Zur Praxisrelevanz der interkulturellen Germanistik, Frankfurt/Main etc.: Peter Lang.
  26. Hess-Lüttich, Ernest W.B. (2011): „Migration als Medienthema in der Deutschschweiz“, in: Eckehard Czucka & Eva Neuland (eds.) 2011: Interkulturelle Kommunikation. Perspektiven einer anwendungsorientierten Germanistik, München: iudicium, 283–301.
  27. Hess-Lüttich, Ernest W.B., Aleya Khattab & Siegfried Steinmann (eds.) (2013): Zwischen Ritual und Tabu. Interaktionsschemata interkultureller Kommunikation in Sprache und Literatur, Frankfurt/Main: Peter Lang.
  28. Hess-Lüttich, Ernest W.B. (2016): „Europa – Afrika / Afrika – Europa“, in: Acta Germanica 44 (2016): 29–33.
  29. Hess-Lüttich, Ernest W.B., Carlotta v. Maltzan & Katherine Thorpe (eds.) (2016): Gesellschaften in Bewegung. Literatur und Sprache in Krisen- und Umbruchzeiten (= Cross Cultural Communication 29, Publikationen der GiG 20), Frankfurt/Main etc.: Peter Lang.
  30. Hess-Lüttich, Ernest W.B. 2020: "Festung Europa? Kulturelle Identität, säkulare Humanität, europäische Solidarität – oder: Wie integrieren wir die Geflüchteten aus dem afrikanischen Nachbarkontinent?", in: Robin Kurilla, Karin Kolb-Albers, Hannes Krämer & Karola Pitsch (eds.) 2020: Sine ira et studio. Disziplinübergreifende Annäherungen an die zwischenmenschliche Kommunikation, Wiesbaden: Springer VS, 249-277
  31. Hinrichs, Uwe (2013): Multi Kulti Deutsch. Wie Migration die deutsche Sprache verändert, München: C.H. Beck.
  32. Ickler, Theodor (1984): Deutsch als Fremdsprache. Eine Einführung in das Studium, Tübingen: Niemeyer
  33. Klingholz, Reiner (2016): „Das Kraftwerk im Dorf“, in: Die Zeit 4 v. 21.01.2016: 31.
  34. Kürschner, Frank (1980): „Flüchtlingsprobleme in Afrika. Ein Überblick“, in: Afrika Spektrum 15.3: 269–281.
  35. Linnemann, Carsten & Winfried Bausback (eds.) (2019): Der politische Islam gehört nicht zu Deutschland. Wie wir unsere freie Gesellschaft verteidigen, Freiburg / Basel / Wien: Herder.
  36. Mansour, Ahmad (2017): Generation Allah. Warum wir im Kampf gegen religiösen Extremismus umdenken müssen, Frankfurt/M.: S. Fischer.
  37. Mansour, Ahmad (2018): Klartext zur Integration. Gegen falsche Toleranz und Panikmache, Frankfurt/M.: S. Fischer.
  38. Mayr, Walter (2016): „Ticket nach Europa“, in: Der Spiegel 17 v. 23.04.2016: 92–93.
  39. Miller, David (2018): Der Fremde in unserer Mitte – Politische Philosophie der Einwanderung, Frankfurt/M.: Suhrkamp.
  40. Moyo, Dambisa (2011): Dead Aid: Warum Entwicklungshilfe nicht funktioniert und was Afrika besser machen kann, Berlin: Haffmanns & Tolkemitt [orig. 2009: Dead Aid: Why Aid is not working and how there is another way for Africa, London: Penguin].
  41. Nida-Rümelin, Julian (2017): Über Grenzen denken – Eine Ethik der Migration, Hamburg: Edition Körber Stiftung.
  42. Nida-Rümelin, Julian & Thomas Meyer (2017): „Über Grenzen denken“, Gespräch in: Neue Gesellschaft Frankfurter Hefte 9/2017: 51–58.
  43. Radisch, Iris (2016): „Vom Mittelalter ins Jetzt katapultiert“, in: Die Zeit 21 v. 12.05.2016: 35.
  44. Schramm, Gert 2011: Wer Hat Angst vorm schwarzen Mann? Mein Leben in Deutschland, Berlin/Weimar: Aufbau-Verlag
  45. Schreiber, Constantin (2017): Inside Islam. Was in Deutschlands Moscheen gepredigt wird, Berlin: Econ / Ullstein.
  46. Steinbrück, Peer (2018): „Die überforderte Schule“, Rezension [s. Wagner 2018] in: Die Zeit 22 v. 24.05.2018: 65–66.
  47. Toprak, Ali Ertan (2018): „Was wir nicht sagen durften“, in: Die Zeit 28 v. 05.07.2018: 54.
  48. Ulrich, Bernd (2016): „Dieser Mann will eine Revolution“ [Gespräch mit Wolfgang Schäuble], in: Die Zeit 25 v. 09.06.2016: 4.
  49. Virilio, Paul 11996 [21999]: Fluchtgeschwindigkeit, München: Hanser; Frankfurt/Main: S. Fischer
  50. Wagner, Joachim 2018: Die Macht der Moschee. Scheitert die Integration am Islam?, Freiburg/Brsg.: Herder.
  51. Wiese, Heike (2012): Kiezdeutsch. Ein neuer Dialekt entsteht, München: C.H. Beck.
Notes
[1]

1Cf. Bundeszentrale für politische Bildung, Dossier zur Migrationspolitik v. 13.08.2019:

1https://www.bpb.de/gesellschaft/migration/flucht/295167/migrationspolitik-juli-2019?pk_campaign=nl2019-08

128&pk_kwd=295167

1; Redaktionstermin für diesen Beitrag war der 20.09.2020, seither ist im Bereich Migration und Integration politisch viel geschehen, was hier noch nicht berücksichtigt werden konnte und Stoff für eine Neufassung des Beitrags wäre; die darin angesprochenen Grundprobleme bestehen aber fort und verschärfen sich sogar, was einen (überarbeiteten) Wiederabdruck des seinerzeit an entlegener Stelle erschienenen Beitrags rechtfertigt (Hess-Lüttich 2020), um der anhaltenden Diskussion in diesem Zusammenhang Rechnung zu tragen.

[2]

5Carsten Linnemann & Winfried Bausback (eds.) 2019: Der politische Islam gehört nicht zu Deutschland. Wie wir

5unsere freie Gesellschaft verteidigen, Freiburg / Basel / Wien: Herder

[3]

7Zahlen z.B. vom ersten Quartal 2016: Nigeria 4311, Gambia 2901, Somalia 2529, Elfenbeinküste 2242, Eritrea 2202,

7Guinea 2124, Senegal 1985, Mali 1914, Sudan 1505 (Angaben in Die Zeit v. 24 v. 02.06.2016: 4). Abb. 1: Quelle:

7http://fsi.fundforpeace.org/map/2015/ [heatmap.png] [15.06.2016].

7Neuere Angaben im Fragile States Index 2023 (Abb. 1a) unter https://fragilestatesindex.org/wp-content/uploads/2023/06/FSI-2023-Report_final.pdf [12.05.2024]

[4]

10Cf. Wolfgang Hoffmann 1992: "Kontrolle ist besser", in: Die Zeit v. 06.11.1992 = Zeit online (Archiv) unter:

10http://www.zeit.de/1992/46/kontrolle-ist-besser [16.06.2016].

[5]

17Cf. auch das ausführliche Interview mit Dambisa Moyo, die heute in Aufsichtsräten der Barcley's Bank und beim

17Ölkonzern Chevron sitzt, in Die Zeit 20 v. 09.05.2018: 26-27.

[6]

19http://www.welt.de/wissenschaft/umwelt/article139965901/Klimawandel-treibt-mehr-Fluechtlinge-nach

19Europa.html [17.06.2016]

[7]

20Cf. Angus Deaton, Interview in der NZZ v. 16.06.2016: http://www.nzz.ch/wirtschaft/wirtschaftspolitik/angus deaton-im-interview-das-ist-nichts-anderes-als-kolonialismus-ld.89298 [24.06.2016].

[8]

21http://www.tagesspiegel.de/politik/afrika-homosexuelle-muessen-um-ihr-leben-fuerchten/8423732.html

21[17.06.2016].

[9]

21http://ilga.org/downloads/03_ILGA_WorldMap_ENGLISH_Overview_May2016.pdf [15.06.2016] [green: equal

21rights for gay marriage; light green: (inferior) substitute to marriage]

[10]

27Zwei Beispiele von vielen: Jürgen Dahlkamp & Maximilian Popp 2013: "Flüchtlinge: Die Menschenfalle", in: Der

27Spiegel 42 v. 14.10.2013: 44-52; Carolin Emcke 2014: "Flüchtlinge in Deutschland: Willkommen in der Fremde", in:

27Zeit Magazin 10 v. 27.02.2014: 14-23. Die Kriegsreporterin Carolin Emcke wurde im Oktober 2016 mit dem

27Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet und publizierte ihren Bestseller Gegen den Hass

27(Frankfurt/Main: S. Fischer).

[11]

27Cf. http://www.n-tv.de/politik/Angriffe-auf-Fluechtlingsheime-reissen-nicht-ab-article17993991.html

27[15.11.2016]; oder http://www.spiegel.de/politik/deutschland/fluechtlingsheime-bundeskriminalamt-zaehlt-

27mehr-als-1000-attacken-a-1074448.html [15.11.2016]; cf. dazu auch Decker (ed.) 2016; Emcke 2016.Die Zahl fremdenfeindlicher Übergriffe auf Flüchtlinge und deren Unterkünfte hat im Gegenteil laut BKA-Berichten seither kontinuierlich zugenommen: https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/uebergriffe-fluechtlingsunterkuenfte-100.html [02.08.2023].

[12]

32http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/professorin-heike-wiese-verteidigt-den-jugendslang-kiezdeutsch a-824386.html [12.04.2014]: "Kiezdeutsch rockt, ischwör" (Spiegel online v. 29.03.2012). Siehe Wiese 2012;

32cf. Hinrichs 2013.

[13]

32Zitiert nach Theodor Ickler 1984: Deutsch als Fremdsprache. Eine Einführung in das Studium, Tübingen: Niemeyer:

3217.

[14]

46https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/publikationen/publikation/did/factsheet-einwanderungsland-deutschland/

46[Zugriff: 11.06.2018].

[15]

46Cf. das Gespräch von Romain Leick mit David Miller über sein Buch im Spiegel 28 v. 07.07.2018: 110-113 ("Es gibt

46keine moralische Pflicht zur Aufnahme aller Flüchtlinge"), hic 113.

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