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Der Abreißkalender als Spiegel einer Stadt im Wandel: Der Abreißkalender als Spiegel einer Stadt im Wandel: Möglichkeiten zur Nutzung des digitalen und interaktiven historischen Stadtatlas von Luxemburg für die Forschung zum Werk von Batty Weber

Der Abreißkalender als Spiegel einer Stadt im Wandel
Der Abreißkalender als Spiegel einer Stadt im Wandel: Möglichkeiten zur Nutzung des digitalen und interaktiven historischen Stadtatlas von Luxemburg für die Forschung zum Werk von Batty Weber
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table of contents
  1. Umschlagsbild
  2. Titelseite
  3. Impressum
  4. Logos
  5. Der Abreißkalender als Spiegel einer Stadt im Wandel: Möglichkeiten zur Nutzung des digitalen und interaktiven historischen Stadtatlas von Luxemburg für die Forschung zum Werk von Batty Weber
    1. Ein Schulprojekt zu Batty Weber mit dem Luxatlas
    2. Der Luxatlas als Werkzeug – Möglichkeiten seiner Nutzung
    3. Batty Weber und die Angst vor dem Erinnerungsverlust
    4. Erstes Beispiel: die Place Clairefontaine bei Batty Weber und im Luxatlas
    5. Zweites Beispiel: ein Spaziergang auf den Kirchberg im Spiegel des Luxatlas
    6. Fazit und Ausblick
    7. Literaturverzeichnis

Der Abreißkalender als Spiegel einer Stadt im Wandel: Möglichkeiten zur Nutzung des digitalen und interaktiven historischen Stadtatlas von Luxemburg für die Forschung zum Werk von Batty Weber

Martin Uhrmacher

„Er war das kulturelle Gewissen einer Generation“, schrieb Joseph Tockert (1875-1950; zitiert nach Kremer-Schmit 1990, 24). Dieses Zitat weist auf einen zentralen Aspekt im Werk von Batty Weber hin. Denn in dem Begriff des kulturellen Gewissens sind auch implizit Erinnerungskultur und Geschichtsschreibung enthalten, mit denen sich Weber in den Beiträgen seines Abreißkalenders häufig beschäftigt. Anne-Marie Millim betont dies in ihrem Beitrag „Der Abreißkalendermann als Historiker des Alltags“ sehr explizit: „Durch die Stimulierung des Erinnerungsverhaltens der Leser […] bietet der Abreißkalender die Basis für die Entwicklung einer nationalen Erinnerungskultur.“ (Millim 2017, 128)

Viele Beiträge im vorliegenden Sammelband zeigen, dass Batty Weber ein aufmerksamer Beobachter des Zeitgeschehens mit einem besonderen Interesse für historische Themen war. Das gilt vor allem auch für die städtische Entwicklung Luxemburgs, die zu seinen Lebzeiten rasant voranschritt. Weber kommentierte die Entwicklung in seinen Feuilletonartikeln mitunter durchaus kritisch; insbesondere dann, wenn historische Gebäude abgerissen und jahrhundertealte gewachsene Strukturen des Stadtbilds durch Neubauten verändert wurden. Aus stadthistorischer Perspektive ist er deshalb ein wichtiger Chronist, der in der langen Dauer seiner Beiträge im Abreißkalender von 1913 bis 1940 ein breites, teils sehr detailliertes und kritisch pointiertes Bild einer Stadt im Wandel zeichnet.

Hier werden die folgenden Überlegungen ansetzen und es soll versucht werden, die von Weber überlieferten Texte in einen zeitgenössischen Kontext einzubetten, um somit ihre Bedeutung als aussagekräftige Quelle aufzuzeigen. Dazu wird der digitale und interaktive historische Stadtatlas Luxemburgs (Luxatlas.lu) als ein Werkzeug vorgestellt, mit dem man sich in die Zeit von Batty Webers Abreißkalender zurückversetzen kann.1 Gleichzeitig soll auch der städtische Raum, den Weber in seinen Artikeln häufig detailliert beschreibt, möglichst exakt bildlich rekonstruiert werden. Dies ist hilfreich, um die Texte Webers aus heutiger Sicht besser verstehen und deuten zu können. Denn nur so kann man eine Vorstellung von den im Abreißkalender beschriebenen und der damaligen Leserschaft selbstverständlich vertrauten Bauten im Stadtbild entwickeln, gerade wenn diese nicht mehr existieren und aus dem kollektiven Gedächtnis verschwunden sind. Ohne die Möglichkeit, in die Alltagswelt Webers und seiner Leserschaft einzutauchen, bleiben viele Texte in der heutigen Zeit unverständlich und verlieren somit viel von ihrer ursprünglichen Bedeutung und ihrem Reiz.

Der Luxatlas soll als eine Art Zeitfenster dienen und Einblicke geben in die von Weber beschriebene Stadt des frühen 20. Jahrhunderts. An zwei Beispielen wird gezeigt, wie dessen Feuilletons durch die Einbettung in den damaligen historischen Raum an Aussagekraft gewinnen. Hierzu eignen sich am besten visuelle Impressionen wie zeitgenössische (Stadt-)Pläne und Fotos, die im Luxatlas veröffentlicht und dort leicht zugänglich sind. Sie werden interaktiv ergänzt durch kontextbezogene Begleittexte mit Erläuterungen zum historischen Hintergrund.

Ein Schulprojekt zu Batty Weber mit dem Luxatlas

Einen ersten Versuch zur Nutzung des Luxatlas für die erweiterte Analyse und Interpretation von Texten aus dem Abreißkalender wurde 2022 im Rahmen eines Schulprojekts (den sogenannten Fuussendeeg) am Lycée Michel Rodange in Luxemburg in Zusammenarbeit mit Anne-Marie Millim und Thomas Kolnberger durchgeführt. Die Schülerinnen und Schüler, die am Projekt teilgenommen haben, bearbeiteten ausgewählte Texte aus dem Abreißkalender, in denen Weber die nähere Umgebung der Schule in Hollerich/Merl beschrieb. Das Gelände des heutigen Schulzentrums Campus Geesseknäppchen lag zu Webers Lebzeiten noch vor der Stadt und bestand vor allem aus Wiesen und Weiden.

Nach einer kurzen Einführung in die Nutzung des Luxatlas erhielten die Schülerinnen und Schüler dort Zugriff auf historische Fotos, Luftaufnahmen, Stadtpläne und Karten, die sie zur Interpretation und Kontextualisierung von Webers Texten aufrufen konnten. Der zweite Teil des Projekts führte die Projektgruppe dann aus dem Schulgebäude heraus in die nähere Umgebung, um den Luxatlas auch in der Praxis einzusetzen. Es galt auch hier, die in Batty Webers Texten beschriebene Gegend so genau wie möglich in der heutigen, grundlegend umgeprägten Stadtlandschaft zu rekonstruieren und in ihren historischen Wandlungsprozessen unmittelbar vor Ort nachzuvollziehen. Der auf Tablets und Smartphones genutzte Luxatlas diente im Gelände durch die GPS-basierte Standortlokalisierung zur exakten Identifizierung historischer Strukturen, wie beispielsweise heute im Untergrund verborgene Bachläufe und alte Gebäude. Diese für die Schülerinnen und Schüler teils überraschenden Entdeckungen und Zusammenhänge führten dazu, dass die zuvor als rein historisch und nicht mehr die aktuelle Realität abbildenden Beschreibungen aus dem Abreißkalender eine konkrete Anbindung an die heutige Umgebung erhielten. Webers Texte konnten dadurch für die Schülerinnen und Schüler aus einer als weit entfernt empfundenen, quasi fiktiven Vergangenheit in die Aktualität übertragen werden, was zu einem größeren Interesse am Abreißkalender und den darin enthaltenen Schilderungen führte.

Der Luxatlas als Werkzeug – Möglichkeiten seiner Nutzung

Im Folgenden soll die Idee einer zeitgenössischen Rekonstruktion des Stadtbilds aufgegriffen und anhand stadthistorischer Themen aus Webers Feuilletons vertieft werden. Ziel ist es, das Potenzial des Abreißkalenders als aussagekräftige Quelle für die historische Forschung noch besser zu nutzen. Darüber hinaus soll nach Wegen gesucht werden, den Luxatlas für eine erweiterte Interpretation des Abreißkalenders einzusetzen, und zwar indem die Texte räumlich und zeitlich so nahe wie möglich in den Kontext der Entstehungszeit gesetzt werden, um die historischen und städtebaulichen Hintergründe bestmöglich rekonstruieren zu können. Der Atlas dient also nicht einfach als Fotoalbum oder Bilderbuch, sondern ganz konkret als Werkzeug für zusätzlichen Erkenntnisgewinn.

Grundsätzlich handelt es sich beim Luxatlas um einen historischen Stadtatlas, der als interaktive, dynamische Website (Luxatlas.lu) aufgebaut ist und auf verschiedenen Zeitebenen Einblicke in die Geschichte der städtischen Entwicklung Luxemburgs bietet. Er wurde seit 2016 im Rahmen eines Forschungsprojekts am Institut für Geschichte (IHIST) der Universität Luxemburg in Zusammenarbeit mit der Stadt Luxemburg erstellt und seitdem kontinuierlich weiterentwickelt und ausgebaut.2

Abbildung 1: Per Mausklick können im Luxatlas Abbildungen, historische Fotos und erläuternde Texte zu ausgewählten Objekten eingeblendet werden.
Abbildung 1: Per Mausklick können im Luxatlas Abbildungen, historische Fotos und erläuternde Texte zu ausgewählten Objekten eingeblendet werden.

Inhaltlich umfasst der Luxatlas eine Sammlung von digitalisierten Karten und interaktiven Strukturen (z.B. Gebäude, Befestigungen, Straßen), die mit erklärenden Texten, Bildern und Fotos verknüpft sind. Auf dieser Grundlage dokumentiert und erläutert der Stadtatlas historische Veränderungsprozesse diachron für Forschung und Lehre, für Geschichtsinteressierte (Public History) und für kommunale Dienststellen zur Unterstützung bei der Planung von Stadtentwicklungsprojekten. Die reine Visualisierung von Forschungsergebnissen steht dabei jedoch nicht im Vordergrund. Vielmehr dient der Stadtatlas auch selbst als Instrument für weitere Forschungen. Denn erst durch die kartographische Aufarbeitung werden Vergleiche und Analysen verschiedener historischer Entwicklungsprozesse in Luxemburg möglich, insbesondere mittels Überlagerung verschiedener Zeitschichten. Die bildliche Darstellung von historischen, architektonischen, wirtschaftlichen und städtebaulichen Informationen macht die Verteilung bestimmter Phänomene im räumlichen Kontext sichtbar, die dann vergleichend interpretiert und analysiert werden können.

Abbildung 2: Ein „Gesamtbild“ des Potenzials von Luxatlas, das mehrere Kartenebenen und die Standorte und Blickwinkel historischer Fotos kombiniert.
Abbildung 2: Ein „Gesamtbild“ des Potenzials von Luxatlas, das mehrere Kartenebenen und die Standorte und Blickwinkel historischer Fotos kombiniert.

Der Luxatlas umfasst aktuell (Stand März 2025) 49 Kartenebenen aus dem Zeitraum von 1564 bis 2017. Hinzu kommen über 600 anklickbare Objekte, 114 inhaltliche Artikel sowie über 1.200 historische Fotos und Illustrationen. Mehrere storymaps ermöglichen zudem virtuelle Stadtrundgänge zu ausgewählten Themengebieten. Nutzerinnen und Nutzer erhalten die Möglichkeit, die Stadtgeschichte Luxemburgs selbstständig, quasi spielerisch zu erforschen und die verschiedenen Kartenebenen und Inhalte je nach Interesse zusammenzustellen, zu kombinieren und miteinander zu vergleichen (vgl. Abb. 1 und 2).

Batty Weber und die Angst vor dem Erinnerungsverlust

Ein zentrales Thema, das den Abreißkalender wie ein roter Faden durchzieht, ist die Sorge Webers um den Verlust von historischer Erinnerung (vgl. Millim 2017, 137f.). Er sah diese Gefahr vor allem im Kontext der städtebaulichen Veränderungen, die sich in Luxemburg zwischen den 1910er Jahren und dem Beginn der 1940er Jahre vollzogen. Als aufmerksamer Beobachter nahm er auf seinen vielen Spaziergängen durch die Stadt und ihr Umland Änderungen am Stadtbild wahr und machte diese zum Gegenstand seiner Feuilletonbeiträge, insbesondere dann, wenn alte Gebäude abgerissen wurden. Es ging ihm dabei weniger um den unbedingten Erhalt historischer Bausubstanz im materiellen Sinne als vielmehr um den unwiederbringlichen Verlust der mit einem Gebäude verknüpften Erinnerungen. Diese Angst vor einer in seinen Augen zunehmenden Geschichtslosigkeit, dem Verlust von historisch gewachsener Erinnerung und Identität, war es vor allem, die ihn dazu antrieb, im Abreißkalender das Wort zu ergreifen.

Ein frühes Beispiel ist sein Beitrag im Abreißkalender vom 15. Mai 1918:

„Zum siebzehnten Male komme ich heute auf eine Anregung zurück, mit der ich schon vor zwanzig Jahren bei den maßgebenden Stellen taube Ohren gefunden habe. […] In andern Worten: Wenn irgendwo ein Haus abgetragen wird, um einem Neubau Platz zu machen, sollte das städtische Hochbauamt von dem alten Haus eine Photographie aufnehmen lassen. Alle diese Photographien zusammen würden in einem Archiv aufbewahrt.“ (AK3 15. Mai 1918)

Hier zeigt sich, dass Weber seine Kritik auch mit einer konkreten Forderung verknüpfte, nämlich der Einrichtung eines Fotoarchivs zur Dokumentation verlorener historischer Bausubstanz.4 Diesen Appell hin zu einer aktiven und vor allem verantwortungsvollen Gedächtnispolitik hat er in den folgenden Jahren immer wieder aufs Neue formuliert. In dieser Hinsicht ist er durchaus als Aktivist anzusehen, der seine Rolle als bekannter und einflussreicher Feuilletonist nutzte, um gezielt Druck auszuüben, vor allem auf die in seinen Augen verantwortlichen Personen, wie im Abreißkalender vom 31. Dezember 1925 ersichtlich wird:

„Schon wieder scheint es, als ob aus dem städtischen Straßenbild ein charakteristisches altes Haus verschwinden sollte. […]

Und wieder sei an das städtische Bauamt die Frage gerichtet, ob es immer noch nicht daran gedacht hat, bei jeder Veränderung im Bild einer Straßenflucht eine Aufnahme von dem verschwindenden Haus anfertigen zu lassen und so ein Archiv zu bilden, aus dem sich das jeweilige Aussehen unserer Vaterstadt nach Jahrhunderten noch feststellen ließe. Was gäben wir drum, wenn eine solche Chronik in Bildern von den frühesten Zeiten unserer Geschichte her bestände!“ (AK 31. Dezember 1925; vgl. auch Millim 2017, S. 140)

Dass sein Eifer bei diesem Thema im Laufe der Jahre nicht nachließ, unterstreicht folgendes Zitat aus dem Abreißkalender vom 5. März 1929: „Wer weiß, vielleicht hilft es doch einmal. Siebenunddreißigmal hat es nicht geholfen. […] Die kommenden Geschlechter werden […] die verfluchen, die schon vor sechzig Jahren hätten anfangen sollen [ein Stadtbildarchiv anzulegen] und es nicht getan haben.“ (AK 5. März 1929; vgl. auch Millim 2017, S. 140)

Ab den 1930er Jahren richtete sich sein Unmut dann in erster Linie gegen den Stadtbaumeister Petit, den er in seinem Feuilleton direkt und kritisch anspricht. So wie im Feuilleton vom 14. April 1932, als er einen „offenen Brief“ schrieb:

„Offener Brief an Herrn Stadtbaumeister Petit.

[…] Damit unsere Nachkommen über hundert und mehr Jahre sehen können, wie ihre Vaterstadt an der Schwelle des zwanzigsten Jahrhunderts ausgesehen hat. Und damit es ihnen recht eindringlich zum Bewußtsein komme, in welchem Tempo des Fortschritts ihre Stadt sich entwickelt, welchen Weg sie seither in ihrer Entwicklung zurückgelegt hat. […] Machen Sie sich darauf gefaßt, Herr Petit, daß Sie nunmehr keine Ruhe finden werden, bis dies städtische Bilderarchiv mit Ihrer freundlichen Hilfe angelegt sein wird!“ (AK 14. April 1932; vgl. auch Millim 2017, S. 141)

Und auch im Feuilleton vom 5. November 1933 richtete er sich erneut direkt an den Stadtbaumeister: „[M]an sollte nun die gähnende Lücke photographieren und sie später neben das Bild des fertigen neuen Hauses hängen. Auch ein Stückchen Lokalgeschichte, meinen Sie nicht, Herr Stadtarchitekt?“ (AK 5. November 1933; vgl. auch Millim 2017, 142)

Vor dem Hintergrund von Webers besonderem Interesse an der Bewahrung des historischen Stadtbilds erscheint es nun lohnend, seinen Spuren als aufmerksamer und kritischer Chronist durch das zeitgenössische Luxemburg zu folgen. An zwei Beispielen aus dem Abreißkalender soll versucht werden, sich mit Hilfe des Luxatlas zusätzlich zum Text auch einen möglichst genauen visuellen Eindruck zu verschaffen. Wie eingangs erläutert, geht es darum, die von Weber beschriebenen, heute größtenteils verschwundenen oder durch Renovierungen und Umbauten unkenntlich gewordenen Gebäude mit seinem Blick zu erfassen und zu rekonstruieren, um dem Abreißkalender eine zusätzliche visuelle Grundlage zu geben und fundiertere Interpretationen von Webers Texten zu ermöglichen.

Erstes Beispiel: die Place Clairefontaine bei Batty Weber und im Luxatlas

Die heutige Place Clairefontaine mit der Statue der Großherzogin Charlotte in ihrer Mitte, umgeben vom Hôtel Bourgogne und dem Hôtel Saint Maximin als Sitz des Staatsministeriums, ist erst 1932/33 durch den Abriss einer ganzen Zeile von Häusern entstanden. Diese befanden sich ehemals entlang der Badenburger Straße (auf dem Plan als Rue de la Congrégation bezeichnet; vgl. zur Geschichte des Place Clairefontaine Schmitt 1990; vgl. auch Philippart 1994). Im Luxatlas lassen sich durch Einblendung des sogenannten Urkatasters der Verlauf der Straße sowie die auf beiden Seiten befindlichen Häuser und Grundstücke gut erkennen (vgl. Abb. 3).

Abbildung 3: Auszug aus dem 'Urkataster' (1824-1846) im Luxatlas. Es zeigt den Verlauf der ehemaligen Badenburger Straße (auf dem Plan: Rue de la Congrégation).
Abbildung 3: Auszug aus dem 'Urkataster' (1824-1846) im Luxatlas. Es zeigt den Verlauf der ehemaligen Badenburger Straße (auf dem Plan: Rue de la Congrégation).

Beim Urkataster handelt es sich um den ältesten parzellengenauen Plan der Stadt Luxemburg, angefertigt um 1824. Er blieb bis ca. 1846/48 im Gebrauch und wurde dabei immer wieder durch Korrekturen aktualisiert, sodass wir im Kartenbild die städtebauliche Situation am Ende der 1840er Jahre sehen (vgl. zum Urkataster Uhrmacher 2022; Bange 2024). Die Badenburger Straße erscheint hier als beidseitig dicht bebaute und sehr schmale Altstadtgasse. Sie bildete die Fortsetzung der Rue du Fossé bis hin zur Einmündung der Rue de la Congrégation und weiter zur Rue du Saint-Esprit. Batty Weber beschrieb in emotionalen Worten den durch den Abriss der Häuserzeile in der Badenburger Straße entstandenen neuen Eindruck im Feuilleton vom 30. Dezember 1932:

„Wenn man nach langer Zeit an eine vertraute Stelle kommt, die immer frei im Tage lag und nun mit Häusern bedeckt ist, macht einem das einen großen Eindruck von Entwicklung, von intensiverem Leben, von Überwucherung der Natur durch Menschliches […].

Viel stärker, überwältigend gar ist der Eindruck, den man empfängt, wenn plötzlich aus einem Stadtbild ein ganzes Häusergewirr verschwunden ist und die Sonne statt dessen einen großen, freien Platz bescheint. Das Gefühl von Befreiung ist so stark, daß man die Arme ausbreiten möchte und atmen, tief und lange atmen, als sei auf einmal frische Luft da, wo früher ein dumpfer Qualm in den Straßen lag.

Dies Gefühl kannst du dir verschaffen, wenn du seit einigen Wochen nicht mehr durch die Badenburger Straße gegangen bist. Dann gehe hin. So wie sich dir die Aussicht auf den alten Schulberg auftut, bleibst du stehen, wie einer, der um eine Ecke kommt und zum ersten Mal das offene Meer sieht. […]

Ich wollt, mir wüchsen Flügel.“ (AK 30. Dezember 1932)

Der von Weber so eindrücklich beschriebene überwältigende Eindruck lässt sich im Luxatlas durch Einblendung zeitgenössischer Fotos ebenfalls nachvollziehen. Insbesondere ein in der storymap „Leit an der Stad“5 enthaltenes Foto ermöglicht einen präzisen Eindruck von den Auswirkungen der Abrissarbeiten auf das Stadtbild.

So zeigt die Aufnahme des Fotografen Batty Fischer aus dem Jahr 1938 (vgl. Abb. 4; vgl. zu Batty Fischer auch Beck 1994) die bauliche Situation, nachdem die Häuser auf der zur Kathedrale hin gelegenen Seite der Badenburger Straße niedergelegt worden waren. Das Bild entspricht exakt der Beschreibung im Abreißkalender und bietet einen zusätzlichen visuellen Eindruck, der die Wirkung des Textes unterstreicht und aus heutiger Sicht besser begreiflich macht.

Abbildung 4: Hôtel de Bourgogne et cathédrale Notre-Dame, 1938 (© Photothèque de la Ville de Luxembourg. Fotograf: Batty Fischer [1877-1958]. Nr. Batty Fischer Hotel 1938)
Abbildung 4: Hôtel de Bourgogne et cathédrale Notre-Dame, 1938 (© Photothèque de la Ville de Luxembourg. Fotograf: Batty Fischer [1877-1958]. Nr. Batty Fischer Hotel 1938)

Im Luxatlas wird zudem der Standort sowie die Blickrichtung des Fotografen in Form eines roten Winkels markiert. Abbildung 5 zeigt die Position des Fotografen eingeblendet vor dem Hintergrund des Orthofotos (eine verzerrungsfreie Abbildung, erstellt aus der Kombination von Luft- und Satellitenaufnahmen) des Jahres 2017, das die aktuelle bauliche Situation des Platzes zeigt. Demnach wäre der Blick des Fotografen heute direkt auf die Statue der Großherzogin in der Mitte des Platzes gerichtet. 1938 stellte sich die Situation hingegen noch so dar, wie Batty Weber sie im Dezember 1932 beschrieb.

Abbildung 5: Die Place Clairefontaine im Jahr 2017. Der rote Winkel zeigt den Standort und Blickwinkel des Fotografen Batty Weber im Jahr 1938. Screenshot aus dem Luxatlas. Copyright luxatlas.lu
Abbildung 5: Die Place Clairefontaine im Jahr 2017. Der rote Winkel zeigt den Standort und Blickwinkel des Fotografen Batty Weber im Jahr 1938. Screenshot aus dem Luxatlas. Copyright luxatlas.lu
Abbildung 6: Der Ausschnitt aus dem Urkataster zeigt den Zustand vor dem Jahr 1932. Bis zu dieser Zeit hätte ein Fotograf hier nur eine enge Häuserzeile aufnehmen können, wie der rote Winkel mit Standort und Blickrichtung zeigt. Screenshot aus dem Luxatlas. Copyright luxalas.lu
Abbildung 6: Der Ausschnitt aus dem Urkataster zeigt den Zustand vor dem Jahr 1932. Bis zu dieser Zeit hätte ein Fotograf hier nur eine enge Häuserzeile aufnehmen können, wie der rote Winkel mit Standort und Blickrichtung zeigt. Screenshot aus dem Luxatlas. Copyright luxalas.lu

Grundsätzlich wurde die Rekonstruktion von Standort und Blickwinkel bei allen im Luxatlas enthaltenen Fotos digital ins Kartenbild integriert. Dadurch eröffnen sich weitergehende Interpretationsmöglichkeiten. So zeigt sich beispielsweise durch die Einblendung des Urkatasters (vgl. Abb. 6), dass ein Fotograf an dieser Stelle vor dem Jahr 1932 nur die Häuserzeile einer engen Gasse hätte aufnehmen können. Deutlich wird auch die von Batty Weber so anschaulich beschriebene Enge der Straße. Dieser Eindruck wird noch verstärkt, wenn man im Luxatlas anstelle des Urkatasters die Ebene mit den ältesten Luftaufnahmen der Stadt aus dem Jahr 1919 einblendet (vgl. Abb. 7). Die enge Badenburger Straße zeigt sich hier im tiefen Schatten liegend, wodurch sich das von Weber beschriebene Gefühl einer dumpfen Gasse ohne Sonne sehr gut nachvollziehen lässt.

Abbildung 7: Die Abbildung zeigt einen Ausschnitt aus den ältesten Luftaufnahmen Luxemburgs aus dem Jahr 1919. Auch hier wird mit einem roten Winkel wiederum der gleiche Standort und die Blickrichtung des Fotografen eingeblendet. Deutlich wird die bei Batty Weber beschriebene Enge der Altstadtgasse. Screenshot aus dem Luxatlas. Copyright luxatlas.lu
Abbildung 7: Die Abbildung zeigt einen Ausschnitt aus den ältesten Luftaufnahmen Luxemburgs aus dem Jahr 1919. Auch hier wird mit einem roten Winkel wiederum der gleiche Standort und die Blickrichtung des Fotografen eingeblendet. Deutlich wird die bei Batty Weber beschriebene Enge der Altstadtgasse. Screenshot aus dem Luxatlas. Copyright luxatlas.lu

Im Abreisskalender vom 30. Dezember 1932 beschreibt Weber noch weitere Eindrücke dieses neuen Stadtraums:

„Und das Wunderbare: Wo einst Haus in Haus geschachtelt da lag, mitten in der gelben Schuttebene steht hoch ragend ein Baum, ein uralter Baum mit mannsdickem, bis an den hohen Wipfel hinauf kahlem Stamm. Man sieht, er war über die Dächer hinaus dem Licht entgegengewachsen. Das haben die Bäume vor den Menschen voraus. Sie können aus dem trübsten Dunkel, aus elendester Erdgebundenheit dem Licht entgegenwachsen, wo wir hilflos verkümmern.“ (AK 30. Dezember 1932)

Auch diese Darstellung lässt sich im Luxatlas fast wie durch „die Brille“ Webers visuell in einen zeitgenössischen Kontext einbetten. Denn das Foto von Batty Fischer (vgl. Abb. 4) zeigt am linken Rand einen großen Baum, bei dem es sich wahrscheinlich um den im Abreißkalender beschriebenen Baum handeln dürfte. Weber beschließt seinen Text mit folgenden Zeilen:

„Mit diesen Häusern verschwindet ein Stück Altluxemburg aus einer der merkwürdigsten Stadtecken. Dort herum war einst die Seele der Stadt: Vom Athenäum her nacheinander Zentrum der Wissenschaft, des religiösen, verwaltlichen, wirtschaftlichen Lebens, Schule, Kirche, Bank, Regierung. Und vom Marktplatz pulsierte das Leben herunter bis in die abzweigenden Äderchen.“ (ebd.)

Auch diese Beschreibung der näheren Umgebung der ehemaligen Badenburger Straße und des neu geschaffenen Platzes in den 1930er Jahren lässt sich heute nur teilweise mit konkreten Gebäuden, wie der Kathedrale, verknüpfen sowie auch mit der „Regierung“, die mit dem Staatsministerium und dem Finanzministerium noch immer rund um die Place Clairefontaine residiert.

Doch wie sieht es mit den anderen als „Seele der Stadt“ genannten Orten „religiösen, verwaltlichen, wirtschaftlichen Lebens“ aus? Diese sind im Luxatlas, beispielsweise durch die Einblendung des sehr detaillierten Stadtplans von 1862, gut zu lokalisieren (vgl. Abb. 8). Eng beieinander finden sich hier, wo „vom Marktplatz [der Place Guillaume] das Leben herunter[pulsierte]“, folgende Gebäude: das Gymnasium Athenée, 1603 als Jesuitenkolleg gegründet (vgl. Philippart 2006, Band 1, 299; vgl. auch allgemein zur Geschichte des Jesuitenkollegs Birsens 2003), die Mädchenschule Ste. Sophie (vgl. Philippart 2006, Band 2, 711), die Ecoles Primaires, dann das Séminaire (vgl. ebd., Band 1, 272f.), die erste Synagoge (Temple des Israelites), die jedoch 1894 durch einen Neubau in der Rue Aldringen ersetzt wurde (vgl. Bulz 1991), sowie schließlich die evangelische Kirche (Temple Protestant; vgl. Philippart 2006, Band 1, 274) und die Banque Internationale (vgl. ebd., Band 1, 248-250; Band 2, 763f.).

Abbildung 8: Ausschnitt aus dem Stadtplan von J. B. Liesch aus dem Jahr 1862. Screenshot aus dem Luxatlas. Copyright luxatlas.lu
Abbildung 8: Ausschnitt aus dem Stadtplan von J. B. Liesch aus dem Jahr 1862. Screenshot aus dem Luxatlas. Copyright luxatlas.lu

Für die Interpretation der von Batty Weber im Abreißkalender beschriebenen Stadträume im historischen Kontext bietet sich noch ein weiteres Feature des Luxatlas an. Dieses besteht in der Möglichkeit, verschiedene frei wählbare Kartenebenen aus unterschiedlichen Zeiten zu überlagern. Diese Ebenen lassen sich dann jeweils durch Schieberegler unterschiedlich stark transparent machen, wodurch die Inhalte der darunter liegenden älteren Zeitschichten mehr oder weniger deutlich sichtbar werden. Es lässt sich also in Echtzeit ein durchsichtiges Fenster in die früheren Schichten der Stadtgeschichte öffnen oder schließen, wodurch der Eindruck eines animierten Bildes in die Vergangenheit, quasi ein Röntgenblick in den historischen Untergrund, ermöglicht wird. Durch diese Überblendungen lassen sich die Veränderungen am Stadtbild in einem einzigen Bildfenster nachvollziehen.

Abbildung 9: Kombination des Orthofotos von 2017 (Abb. 5) mit dem Stadtplan von 1862 (Abb. 8) im Luxatlas. Screenshot aus dem Luxatlas. Copyright luxatlas.lu
Abbildung 9: Kombination des Orthofotos von 2017 (Abb. 5) mit dem Stadtplan von 1862 (Abb. 8) im Luxatlas. Screenshot aus dem Luxatlas. Copyright luxatlas.lu

Abbildung 9 zeigt beispielsweise die Kombination des Orthofotos von 2017 mit dem danebenliegenden Stadtplan von 1862. Die mittige weiße Linie lässt sich dabei als Schieberegler frei von links nach rechts bewegen. Dadurch werden die Veränderungen, die durch den von Batty Weber kritisch dokumentierten Abriss der Häuser in der Badenburger Straße eingeleitet wurden und im Laufe der folgenden Jahrzehnte zum heutigen Zustand der Place Clairefontaine führten, auf einen Blick sichtbar.

Zweites Beispiel: ein Spaziergang auf den Kirchberg im Spiegel des Luxatlas

Unser zweites Beispiel geht erneut zurück in das Jahr 1932. Im Feuilleton vom 12. April beschreibt Batty Weber einen stadthistorischen Spaziergang von Clausen auf den Kirchberg. Er beginnt mit folgenden Worten:

„Wieder einmal ein Sonntag, von dem man sagen konnte: Dies quam secit Dominus, ein Tag, den der Herr gemacht hatte. […]

Die Höhe, die jetzt den lohnendsten Ausblick gewährt, ist das Plateau um Kirchberg.

Die Wanderung hinauf ist voll seltener und seltsamer Eindrücke.

Einer der ersten ist der Blick auf den alten deutschen Militärfriedhof in Clausen. Oben stehen sauber ausgerichtet in Reih und Glied die schwarzen Grabkreuze der deutschen Toten aus dem Weltkrieg, unten ist die epheuumwobene Romantik der Gräber, über denen zumteil adlige Namen stehen, Namen, die in Geschichte und Anekdote einen Klang haben – die versunkene Zeit einer gesellschaftlichen Schichtung, die vor dem Massentod der Jahre 1914-1918 zu Bruch ging.“ (AK 12. April 1932)

Zur Rekonstruktion des Weges, den Weber genommen hat, bietet sich im Luxatlas zunächst die Karte von J.P. Biermann aus dem Jahr 1907 an, denn darauf ist der „Ancien Cimetière militaire“ deutlich sichtbar eingetragen, auch mit seiner Wegestruktur und der Lage der Gräber (vgl. Abb. 10). An der Bebauung in Clausen hat sich zudem bis in die 1930er Jahre nichts Wesentliches geändert, wie verschiedene Vergleichskarten im Luxatlas dokumentieren. Die räumliche Situation entspricht also dem Zeitpunkt von Webers Spaziergang.

Abbildung 10: Ausschnitt aus dem Stadtplan von J. P. Biermann aus dem Jahr 1907. Screenshot aus dem Luxatlas. Copyright luxatlas.lu
Abbildung 10: Ausschnitt aus dem Stadtplan von J. P. Biermann aus dem Jahr 1907. Screenshot aus dem Luxatlas. Copyright luxatlas.lu

Wie Abbildung 10 anhand des Symbols zum „Garnisonsfriedhof Klausen“ zeigt, bietet sich der Luxatlas neben der rein räumlichen Orientierung im zeitgenössischen Kontext auch aus einem anderen Grund für die Interpretation von Webers Abreißkalender an. Denn er erfüllt auch die Funktion eines historischen Stadtlexikons mit Artikeln zu historisch relevanten Gebäuden und Orten im Stadtgebiet. Diese Artikel sind stets nach einem festen Schema angelegt und öffnen sich nach dem Klick auf ein solches Symbol der interaktiven Karte in einem separaten Fenster. Wie in Abbildung 1 zu sehen, bestehen die Artikel aus einer kurzen „Beschreibung“, die in knapper Form die wichtigsten Informationen des Objekts nennt. Interessierte können dann mit Klick auf den Button „Weiterlesen“ den vollständigen Text des Artikels öffnen. Darunter befindet sich dann die „Historie“, eine Auflistung der wichtigsten Daten in chronologischer Reihenfolge. Den Abschluss bildet eine Bibliographie mit der wichtigsten Literatur zu dem jeweiligen Objekt. Zusätzlich werden am oberen Rand Abbildungen und Fotos eingeblendet, die mit Pfeilen nach rechts und links durchgeblättert werden können. Auf Klick können die Bilder zudem in voller Bildschirmgröße dargestellt werden.

Im Artikel zum „Garnisonsfriedhof Clausen“ liefert der Autor Thomas Kolnberger einen knapp gefassten, dennoch umfassenden Überblick über die wechselvolle Geschichte des Friedhofs (vgl. Kolnberger o.D.b; vgl. auch Kolnberger 2019). Kolnberger erläutert, dass der „‚Militärkirchhof‘ der Bundesfestung Luxemburg […] ursprünglich für die preußischen Garnisonssoldaten, Zivilbeamten und deren Angehörige eingerichtet“ worden war (Kolnberger o.D.b). Nach dem Ende der Bundesfestung vereinbarten „Stadt und Staat Luxemburg mit der deutschen Reichsregierung den Erhalt der Begräbnisstätte“ (ebd.).

Zu den von Batty Weber angesprochenen „deutschen Toten aus dem Weltkrieg“ (AK 12. April 1932) liefert Kolnbergers Text zusätzliche Informationen. Demnach wurden hier

„während des Ersten Weltkrieges zirka 15-20 französische und zirka 60-70 deutsche Soldaten gruppenweise miteinander bestattet. Die letzten französischen Soldaten wurden im Mai 1923 umgebettet. Die Deutschen blieben. Aus anderen Landesteilen Luxemburgs überführte Gefallene auf deutscher Seite wurden hier konzentriert: insgesamt 196 Tote aus dem Ersten Weltkrieg.“ (ebd.)

Dreißig Abbildungen (Fotos, Postkarten, Auszüge aus Karten und Plänen) vom 18. Jahrhundert bis in die heutige Zeit geben aussagekräftige visuelle Eindrücke zur Geschichte des Friedhofs. Gezeigt werden auch die von Weber beschriebenen „schwarzen Grabkreuze der deutschen Toten aus dem Weltkrieg“ (AK 12. April 1932). Gut nachvollziehbar wird zudem die „epheuumwobene Romantik der Gräber“ (ebd.), die sich an diesem besonderen Ort bis heute erhalten hat.

Webers Spaziergang findet dann seine Fortsetzung:

„Weiter hinauf der Malakoff-Turm. Wer hat diesem trotzig runden Kerl von Turm, der mit meterdicken Mauern und drohenden Schießscharten die Schlucht absperrt, diesen Namen gegeben, der an den Krimkrieg und an Sebastopol erinnert? Was hatte unsre Festung Luxemburg mit den Erinnerungen an jene Schlachten in Rußland zu tun? Ein Gegenstück zu dem Kitsch der ‚Luxemburger Schweiz‘ mit ihrem Schipkapaß und andern Balkananleihen.“ (AK 12. April 1932)

Die hier besonders betonte Lage des Turms in einer Schlucht führte dazu, dass sich die Sichtbarkeit des Festungsbauwerks und seine Präsenz im Stadtbild seit den 1930er Jahren grundlegend geändert hat. Zur Zeit von Batty Weber war der Turm noch ein von weither gut sichtbares Monument. Das im Luxatlas in der storymap „Leit an der Stad“ veröffentlichte Foto von Charles Bernhoeft aus dem Jahr 1890 zeigt dies (vgl. Abb. 11). Der Malakoffturm überragt hier das Maison Schuman und die anderen Häuser von Clausen deutlich; er war Anfang des 20. Jahrhunderts ein dominierender Teil der Silhouette dieses Stadtteils.6

Abbildung 11: Maison natale de Robert Schuman et l’église Ste Cunégonde de Clausen, 1890 (© Photothèque de la Ville de Luxembourg. Fotograf: Charles Bernhoeft [1859-1933]. Nr. 1890/2/201)
Abbildung 11: Maison natale de Robert Schuman et l’église Ste Cunégonde de Clausen, 1890 (© Photothèque de la Ville de Luxembourg. Fotograf: Charles Bernhoeft [1859-1933]. Nr. 1890/2/201)
Abbildung 12: Tour Malakoff, 1952. Screenshot aus dem Luxatlas (© Photothèque de la Ville de Luxembourg. Fotograf: Batty Fischer (1877 - 1958). Nr. 1952122)
Abbildung 12: Tour Malakoff, 1952. Screenshot aus dem Luxatlas (© Photothèque de la Ville de Luxembourg. Fotograf: Batty Fischer (1877 - 1958). Nr. 1952122)

Doch im Laufe der folgenden Jahrzehnte ändert sich dies grundlegend. Denn der Wald an den Hängen des Tals wuchs immer mehr in die Höhe und überragte schließlich den Turm zur Gänze. Ein weiteres Foto aus dem Luxatlas dokumentiert den Zustand in den 1950er Jahren (vgl. Abb. 12). Der Turm ist nun im Wald verborgen, ein Zustand, an dem sich bis heute nichts geändert hat. Die Folge ist, dass er seine Präsenz im Stadtbild fast vollständig verloren hat. Er ist nur noch aus der Nähe zu betrachten. In unmittelbarer Nähe befindet sich der nächste Ort, den Weber auf seinem Spaziergang beschreibt:

„Dann der alte israelitische Friedhof. Die grauen Grabsteine wenden unisono ihre Gesichter nach Osten. Ein Denkmal ist völlig zerfallen, sieht nicht aus, als sei nur die Zeit daran schuld, das Durcheinander der Platten und Stützen deutet ein wenig auf gewaltsamen Eingriff. Die Stätte ist Lockung, Herausforderung an die Phantasie. Sicher wird da einmal ein Romankapitel spielen.“ (AK 12. April 1932)

Abbildung 13: Screenshot aus dem Luxatlas mit dem dort auf Mausklick aufrufbaren Artikel von Thomas Kolnberger zum alten jüdischen Friedhof. Copyright luxatlas.lu
Abbildung 13: Screenshot aus dem Luxatlas mit dem dort auf Mausklick aufrufbaren Artikel von Thomas Kolnberger zum alten jüdischen Friedhof. Copyright luxatlas.lu

Der Friedhof liegt kurz hinter dem Malakoffturm, ein Stück weit den Weg hinauf auf der linken Seite der Straße. Der Festungsplan von Erasmy im Luxatlas aus dem Jahr 1867 zeigt die Lage des Cimetière Israelite auf (vgl. Abb. 13). Ebenso wie beim Garnisonsfriedhof enthält der Luxatlas auch zum alten jüdischen Friedhof einen Artikel, wiederum verfasst von Thomas Kolnberger (vgl. Kolnberger o.D.a). Darin wird zunächst erläutert, warum sich der Friedhof genau hier, in einem engen Tal im unmittelbaren Vorfeld des zur Festung gehörenden Malakoffturms befand. Demnach wurde der „von ca. 1815 bis 1897 belegte“ alte jüdische Friedhof den damals gültigen Friedhofsbestimmungen der napoleonischen Zeit entsprechend „zwischen den Festungswerken, also ante muros vor der Altstadt (Oberstadt) und dem vorgelagerten Bastionsgürtel in der Clausener Unterstadt in schwieriger Hanglage errichtet“ (ebd.). Kolnberger führt weiter aus, dass es der „erste konfessionelle nicht-katholische Friedhof in den Grenzen des heutigen Großherzogtums“ war, der zudem „nicht nur jüdischen Stadtbewohnern vorbehalten“ war (ebd.). Einen guten Eindruck der von Weber beschriebenen fast mystischen Atmosphäre des Ortes vermitteln die in den Artikel im Luxatlas eingebundenen Fotos. Abbildung 13 zeigt beispielsweise schon im Vorschaubild einige der bis heute erhaltenen Grabsteine wie in Webers Text als „Durcheinander der Platten und Stützen“.

Die letzte Etappe auf Webers Spaziergang liegt nach dem Aufstieg oben auf dem Kirchberger Plateau:

„Und nun sind wir oben, am Weimers- und Bricherhof und zwischen uns und der Sandweiler Straße ist das Neudorfer Tal in Aecker versunken, als sei es nie dagewesen. Häuser liegen da, von denen du keine Ahnung hast, wenn dir diese ganze Gewann nur durch den Blick von drüben her bekannt ist. Und um die Häuser liegen die braunen Aecker gebreitet, so weit das Auge reicht, und man hält es für schier unglaublich, daß diese ganzen Ackerbreiten von den paar Menschen, die in diesen verstreuten Gehöften leben, bestellt werden, daß unter den paar Dutzend Händen diese weite Fläche zu wunderbarer Fruchtbarkeit bereitet werden kann.“ (AK 12. April 1932)

Abbildung 14: Ausschnitt aus der Luftaufnahme von 1963 im Luxatlas. Der von Weber im Abreißkalender beschriebene Weg ist mit roten Pfeilen rekonstruiert. Screenshot aus dem Luxatlas. Copyright luxatlas.lu
Abbildung 14: Ausschnitt aus der Luftaufnahme von 1963 im Luxatlas. Der von Weber im Abreißkalender beschriebene Weg ist mit roten Pfeilen rekonstruiert. Screenshot aus dem Luxatlas. Copyright luxatlas.lu

Der von Weber im Abreißkalender beschriebene Weg kann im Luxatlas exakt rekonstruiert werden. Als passende Hintergrundkarte bietet sich das Luftbild von 1963 an (vgl. Abb. 14); denn darauf zeigt sich die Gegend noch vor der Erschließung des Kirchberg-Plateaus so wie in Webers Zeiten als agrarisch genutzte Fläche (auch wenn in der linken Bildhälfte bereits die ersten Spuren der beginnenden Bauarbeiten zu sehen sind). Auf dem Bildschirmfoto aus dem Luxatlas ist Webers Spazierweg in rot eingetragen; die drei Kreise markieren die Etappenorte: beginnend mit dem Garnisonsfriedhof in Clausen am unteren Rand über den Turm Malakoff mit dem jüdischen Friedhof bis hin zum Bricherhof am oberen rechten Rand. Das Hochplateau zeigt sich noch wie von Weber charakterisiert: „die braunen Aecker gebreitet, so weit das Auge reicht“.

Abbildung 15: Ausschnitt aus dem Orthofoto von 2017 im Luxatlas; es zeigt den Kirchberg. Screenshot aus dem Luxatlas. Copyright luxatlas.lu
Abbildung 15: Ausschnitt aus dem Orthofoto von 2017 im Luxatlas; es zeigt den Kirchberg. Screenshot aus dem Luxatlas. Copyright luxatlas.lu

Ein Vergleich des gleichen Bildausschnitts im Luxatlas mit dem Luftbild von 2017 (vgl. Abb. 15) zeigt dann deutlich die dramatischen Veränderungen, die der Kirchberg beginnend mit den Bauarbeiten der 1960er Jahre genommen hat.7 Von der im Abreißkalender beschriebenen ländlichen Weite ist nichts mehr zu sehen. Webers Beschreibungen sind heutzutage selbst mit großer Vorstellungskraft kaum nachzuvollziehen.

Der Bricherhof existiert zwar noch – er ist die Residenz des niederländischen Botschafters –, doch er befindet sich heute inmitten eines Wohnquartiers, umgeben von anderen Häusern. Sein ehemaliger Charakter als großer, freistehender Hof inmitten von Feldern und Obstgärten, wie zu Webers Zeiten, dokumentiert durch ein Foto von Batty Fischer aus dem Jahr 1936 (vgl. Abb. 16), ist vollkommen verloren gegangen. Die bildliche und räumliche Rekonstruktion im Luxatlas stellt diese Zusammenhänge aus Webers Zeit wieder her.

Abbildung 16: Bricherhaff 1936. (© Photothèque de la Ville de Luxembourg. Fotograf: Batty Fischer (1877 - 1958). Nr. 1936_2_3227)
Abbildung 16: Bricherhaff 1936. (© Photothèque de la Ville de Luxembourg. Fotograf: Batty Fischer (1877 - 1958). Nr. 1936_2_3227)

Batty Weber lässt seinen Spaziergang im Abreißkalenderblatt schließlich folgendermaßen enden:

„Aber der Himmel war schöner als die Erde, schöner, als wir ihn je gesehen. […]

In Kirchberg und Weimerskirch spielten die Kinder auf den Straßen Fußball, viele Buben waren noch im Kommunions-Festgewand, schwarze Hosen und weiße Strümpfe, und das festlich blanke Schuhwerk war ihnen nicht zu gut, den Ball damit zu schießen und zu dribbeln.

Wir legen diesen Sonntag zu andern in die Schatzkammer der Erinnerungen.“ (AK 12. April 1932)

Fazit und Ausblick

Wie anhand der Beispiele aus dem Abreißkalender gezeigt werden konnte, erweist sich der Luxatlas als Werkzeug für das Verständnis von Webers Texten im Kontext seiner Zeit – einerseits durch historische Pläne, Karten und Fotos, die einen visuellen Eindruck des zeitgenössischen Umfelds und seiner Atmosphäre ermöglichen, und zum anderen durch die interaktiv eingebundenen Artikel, die Erläuterungen zum historischen Hintergrund liefern. Durch die im Luxatlas mögliche umfassende räumliche und zeitliche Kontextualisierung der von Weber aufgegriffenen stadthistorischen Themen kann man seine Feuilletontexte mit Blick auf ihre Zeit und die entsprechenden Orte umfassender als bisher interpretieren.

In dieser Hinsicht ließe sich der Luxatlas zukünftig auch in anderen Zusammenhängen einsetzen, um zusätzliche Erkenntnisse aus Webers Texten herauszuarbeiten. Zugleich bietet sich auch die Möglichkeit, den digitalen Stadtatlas zu umfassenderen Analysen von Webers Abreißkalender im räumlichen Kontext zu nutzen. So könnte beispielsweise untersucht werden, über welche Stadtteile, Straßen oder Gebäude Weber am häufigsten schrieb und wo genau diese sich im städtischen Raum befanden. Es ließe sich auch eine Karte anfertigen und im Luxatlas publizieren, auf denen Webers „Aktionsräume“ dargestellt sind, auch in unterschiedlichen Zeitschritten, um eventuelle Veränderungen seines Interesses in den Jahrzehnten seiner journalistischen Arbeit als Feuilletonist aufzeigen und interpretieren zu können. Batty Weber selbst hat die Idee einer städtischen „Chronik in Bildern“, wie sie der Luxatlas bietet, ja bereits in den 1920er Jahren angestoßen.

Literaturverzeichnis

  1. Bange, Evamarie. „Neue Datierungsansätze zum Urkataster der Stadt Luxemburg“. Hémecht 76, 2024, S. 53-62.
  2. Beck, Henri. „Batty Fischer (1877-1958) un photographe pas comme les autres“. Ons Stad 45, 1994, S. 13-16.
  3. Birsens, Josy (Hrsg.). 400 Joer Kolléisch. 4 Bände und 1 Ergänzungsband. Band 1: Du collège jésuite au collège municipal: 1603-1815. Saint-Paul, 2003.
  4. Bulz, Emmanuel. „À l'ombre des trois synagogues“. Ons Stad 36, 1991, S. 10-14.
  5. Clarke, Howard, und Anngret Simms (Hrsg.). Lords and Towns in Medieval Europe. The European Historic Towns Atlas Project. Routledge 2015.
  6. Gilles, Peter, und Anne-Marie Millim (Hrsg.). Abreißkalender. Das Feuilleton von Batty Weber in derLuxemburger Zeitung, 1913 bis 1940 [digitale Datenbank]. 2017. https://battyweber.uni.lu. Zugriff am 1. Mai 2025.
  7. Hesse, Markus. „Luxembourg-Kirchberg: heading towards the new European City“. A New Beginning? Spatial Planning and Research in Europe between 1945 and 1975, herausgegeben von Detlef Briesen und Wendelin Strubelt. Campus, 2022, S. 235-250.
  8. Kolnberger, Thomas. „Alter jüdischer Friedhof“. Luxatlas, o.D.a, https://www.luxatlas.lu. Zugriff am 1. Mai 2025.
  9. Kolnberger, Thomas. „Garnisonsfriedhof Clausen“. Luxatlas, o.D.b, https://www.luxatlas.lu. Zugriff am 1. Mai 2025.
  10. Kolnberger, Thomas. „Friedhof, Heldenhain oder Totenburg? Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und die Soldatenfriedhöfe Sandweiler und Clausen im Großherzogtum Luxemburg“. Ewige Ruhe? – Grabkulturen in Luxemburg und den Nachbarregionen/Concession à perpétuité? Cultures funéraires au Luxembourg et dans les régions voisines, herausgegeben von Sonja Kmec, Robert L. Philippart und Antoinette Reuter. Capybara Books, 2019, S. 103-114.
  11. Kremer-Schmit, Sylvie. „Zum 50. Todestag von Batty Weber“. Ons Stad 35, 1990, S. 24-26.
  12. Millim, Anne-Marie. „Der Abreißkalendermann als Historiker des Alltags“. Batty Weber – Werk und Wirkung, herausgegeben von Anne-Marie Millim. Mersch 2017, S. 94-153.
  13. Nottrot, Ina. „Kirchberg im Urbanismustaumel. 360 Hektar auf Kirchberg sollen zur Stadt avancieren“. forum 172 (Dezember), 1996, S. 3-10.
  14. Pauly, Michel. „Akteure der Stadtplanung in der longue durée. Die Stadt Luxemburg“. Historische Zeitschrift 317 (2), 2023, S. 375-410.
  15. Philippart, Robert L. „Témoins du passé, demeures seigneuriales et bourgeoises“. La Ville de Luxembourg – Du château des comtes à la métropole européenne, herausgegeben von Gilbert Trausch. Fonds Mercator Paribas, 1994, S. 155-165.
  16. Philippart, Robert L. Luxembourg. De l’historicisme au modernisme, de la ville forteresse à la capitale nationale. 2 Bände. Ilôts, 2006.
  17. Schmitt, Michel. „La Place de Clairefontaine et son passé historique: un haut-lieu de la mémoire collective“. Monument Grande-Duchesse Charlotte: inauguration, le 29 avril 1990, Luxembourg, Place de Clairefontaine, herausgegeben von Martin Gerges und der Regéierungscommissioun fir d'Monument. Oeuvre Nationale de Secours Grande-Duchesse Charlotte, 1990, S. 33-41.
  18. Uhrmacher, Martin. „Digital hermeneutics and the European Historic Towns Atlas project: The digital and interactive historical town atlas of Luxembourg City as a ‚trading zone‘“. Doctoral Training Unit „Digital History and Hermeneutics“ [Blog], 28. Januar 2021. https://dhh.uni.lu/2021/01/28/digital-hermeneutics-and-the-european-historic-towns-atlas-project-the-digital-and-interactive-historical-town-atlas-of-luxembourg-city-as-a-trading-zone. Zugriff am 1. Mai 2025.
  19. Uhrmacher, Martin. „Die Stadt wird vermessen. Das Urkataster“. Die Geschichte der Stadt Luxemburg in 99 Objekten, herausgegeben von Michel Pauly. Capybara Books, 2022, S. 189-192.

Anmerkungen

  1. 1 Der Luxatlas ist ein digitaler und interaktiver historischer Atlas der Stadt Luxemburg, veröffentlicht auf der Internetseite https://luxatlas.lu. Seit Ende 2016 widmet sich ein Forschungsprojekt am Geschichtsinstitut der Universität Luxemburg in Zusammenarbeit mit der Stadt Luxemburg der Erstellung und kontinuierlichen Erweiterung des digitalen historischen Stadtatlas. Dieser zeigt die städtische Entwicklung Luxemburgs seit der Mitte des 16. Jahrhunderts interaktiv in Form von Karten, Fotos und Begleittexten. In mehreren Zeitschnitten lassen sich die tiefgreifenden Wandlungsprozesse der Stadt und ihr Wachstum interaktiv nachvollziehen. Vgl. Uhrmacher 2021.
  2. 2 Das Projekt ist Teil eines Forschungsnetzes für historische Stadtatlanten in Europa, ein Projekt, das 1955 von der International Commission for the History of Towns (ICHT) ins Leben gerufen wurde. Es wird von der Atlas Working Group der ICHT koordiniert. Die dahinterstehende Forschungsidee ist es, Stadtpläne als Mittel zum besseren Verständnis städtischer Entwicklung zu nutzen und vergleichende Studien zur historischen Topographie europäischer Städte zu ermöglichen (vgl. hierzu Clarke und Simms 2015). Das Projekt ist bis heute überaus erfolgreich: mit bisher über 600 veröffentlichten Bänden (vgl. https://www.uni-muenster.de/Staedtegeschichte/en/portal/staedteatlanten). Die meisten der bisher erschienenen Stadtatlanten sind in gedruckter Form erhältlich, als großformatige Mappen mit Faltkarten, Bildtafeln und Textheften. DerLuxatlas war hingegen der erste rein digital und interaktiv auf einer Website veröffentlichte Städteatlas, basierend auf Open-Source-Software (vgl. Uhrmacher 2021).
  3. 3 Die Sigle AK steht für den Abreißkalender von Batty Weber, hier und nachfolgend zitiert nach Gilles und Millim 2017.
  4. 4 Vgl. zu Webers häufig geäußerter Forderung nach einem Fotoarchiv zur Dokumentation abgerissener Häuser Millim 2017, S. 137-142.
  5. 5„Leit an der Stad – Luxembourg Street Photograhy, 1950-2017“ lautete der Titel einer Ausstellung, die vom 6. Oktober 2018 bis 31. März 2019 im Lëtzebuerg City Museum gezeigt wurde. Präsentiert wurden knapp 200 Fotos mit Alltagsszenen im öffentlichen Raum der Stadt Luxemburg. In Kooperation mit dem Lëtzebuerg City Museum wurde 2023 eine Auswahl der ursprünglich gezeigten Fotografien als storymap in den Luxatlas übernommen. Durch die genaue Positionierung der Bilder im städtischen Raum lässt sich das jeweilige Foto nun direkt in seinem Umfeld verorten. Die Ausstellung wurde somit aus den Räumen des Museums zurück in die Stadt übertragen (vgl. https://citymuseum.lu/de/exhibition/leit-an-der-stad-luxembourg-street-photography-1950-2017 ).
  6. 6 Im Luxatlas öffnet sich nach Klick auf den Malakoffturm eine Serie von 25 Bildern, vor allem Fotos und Auszüge aus historischen Karten und Plänen, die die Geschichte des Turms von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis heute anschaulich dokumentieren.
  7. 7 Vgl. hierzu Hesse 2022; Pauly 2023, 395-401; sowie speziell die ersten drei Jahrzehnte der Erschließung und Bebauung des Kirchbergs betreffend Nottrot 1996.

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