Gegen große Erzählungen: Theoriediskurse in den Digital Humanities global und lokal
Theoretische Überlegungen prägen die Digital Humanities (DH) seit ihren Anfängen.1 Die Gründe dafür liegen nicht nur in der semantischen Ambivalenz des Theoriebegriffes, der mit wissenschaftssoziologischen Implikationen und normativen Vorstellungen verbunden ist. Vielmehr sind es die DH selbst, die als interdisziplinäres und internationales Forschungsfeld Fragen der Theoriebildung und -arbeit evozieren.2 Während die DH an geisteswissenschaftliche Theorietraditionslinien anknüpfen, stellen sie zugleich Schnittstellen zu digitalen Technologien dar, die häufig anderen epistemischen Prämissen folgen. Die Selbstbeschreibungen der DH als „big tent“3 und „expanded field“4 lassen sich auch auf ihre Theoriekonzepte übertragen, die ebenso durch Vielfalt, Offenheit und Interdisziplinarität geprägt sind. Theorien sind grundlegende Bestandteile von Forschung und Wissenschaft. Sie beeinflussen, wie Phänomene beschrieben, interpretiert und erklärt werden, stellen häufig Begriffe zur Verfügung und legen fest, welche Fragen gestellt werden können und welche Argumentationsverfahren plausibel sind.5 So spielen Theorien eine entscheidende Rolle für die Selbst- und Fremdbeschreibung von Forschungsgemeinschaften, indem sie lokale Forschungssettings definieren und globale Kommunikationsrahmen vorstrukturieren.6
Der Beitrag nimmt aus wissenschaftstheoretischer Perspektive die lokalen und globalen Theoriediskurse der DH in den Blick. Welche theoretischen Konzepte, Narrative und Referenzen spielen in den DH eine Rolle und warum? Wie unterscheidet sich die Theoriearbeit lokal und global? Als Mitgründerin und aktives Mitglied der DHd-Arbeitsgruppe Digital Humanities Theorie schlage ich dazu drei Zugänge vor: Erstens beleuchtet der Beitrag verschiedene theoretische Konstellationen, die für die DH eine Rolle spielen. Dabei wird untersucht, welche etablierten theoretischen Konzepte in den DH fortgeführt, transformiert und aufgegeben werden.7 Zweitens widme ich mich den theoretischen Narrativen der DH, die unter anderem anhand von diskursiven Kristallisationspunkten und sozio-materiellen Settings in Vergangenheit und Gegenwart skizziert werden. Drittens erfolgt eine datengestützte Momentaufnahme aktueller Theoriebezüge in einer vergleichenden Untersuchung der Book of Abstracts (BoA) der ADHO- und der DHd-Konferenzen im Zeitraum von 2022 bis 2024. Der Beitrag gibt so einen Überblick über die Veränderungen, Implikationen und Problemlagen der Theoriebildung in diesen diskursiven Communities und lädt dazu ein, über theoretische Latenzen nachzudenken.
Theoretische Konstellationen
In einem ersten Zugang untersucht der Beitrag die vermeintlich neuen theoretischen Konstellationen, die in den DH zum Vorschein kommen. Was verstehen Forschende und Lehrende in den DH unter Theorie(n)? Welche divergierenden Theoriekonzepte und -strukturen spielen tatsächlich eine Rolle? Es werden die theoretischen Konzepte und Strukturen in den DH dargestellt, die sowohl an geisteswissenschaftliche Denktraditionen anknüpfen als auch mathematisch-statistische und computerlinguistische Theoriekonzepte integrieren.
Fortsetzungen und Variationen: Geisteswissenschaften und DH
Forschende und Lehrende in den DH, die sich wissenschaftstheoretisch äußern, so hält Tessa Gengnagel fest, rekurrieren tendenziell auf geisteswissenschaftliche Denktraditionen.8 Im deutschsprachigen Kontext beziehen sich Forschende oftmals auf die Entstehung der Geisteswissenschaften im Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert. Vor diesem Hintergrund spielen unter anderem die Schriften von Jacob Grimm, Heinrich Rickert und Wilhelm Dilthey eine Rolle.9 Im anglophonen Kontext wird dagegen stärker auf Charles Percy Snows relativ undifferenzierte Unterscheidung von Natur- und Geisteswissenschaften als „two cultures“10 Bezug genommen. Die DH werden dann als „third culture“11 verstanden. Für eine wissenschaftstheoretische Verortung der DH folgt daraus, dass für die DH geisteswissenschaftliche Theoriekonzepte, -repertoires und -strukturen prägend sind. Drei Merkmale geisteswissenschaftlicher Theorien sind zentral: (1) Theorie als Abfolge von Theoriekomplexen, (2) Verknüpfung von Theorien und Methoden und (3) Theorie als Diskursmodell.12
Mit Blick auf die DH zeigen die empirischen Arbeiten von Kleymann et al. (2022) sowie der DHd-Arbeitsgruppe Digital Humanities Theorie, dass sich das Verständnis von Theorie als Abfolge von Theoriekomplexen fortsetzt.13 Theoretische Ansätze, die von Forschenden in den DH häufig genannt werden, sind z. B. Hermeneutik, Poststrukturalismus, New Historicism, feministische Theorien oder Phänomenologie.14 Eine Sonderstellung nimmt die Hermeneutik als „Grundlegungstheorie der Geisteswissenschaften“15 ein. Die Auseinandersetzung mit hermeneutischen Theorietraditionen lässt sich global bis zu den Anfängen des humanities computing zurückverfolgen. Mehr noch, hermeneutische Ansätze werden innerhalb der DH unter digitalem Paradigma weiterentwickelt und transformiert.16
Damit verbunden ist die für das Selbstverständnis der DH wesentliche Verknüpfung zwischen Theorie und Methoden. Denn die Erweiterung des traditionellen Methodenrepertoires um computergestützte Verfahren wird vielfach als ein zentrales Aufgabenfeld der DH angesehen. Es geht konkret um die Entwicklung und Reflexion digitaler Methoden.17 Dieses Theorieverständnis hat auch direkte Auswirkungen auf die Vermittlung von theoretischem Wissen in den DH. So findet die Theorievermittlung in den DH oftmals im Rahmen der Methodenausbildung statt.18
Am Datenbegriff lässt sich zudem die Weiterführung des geisteswissenschaftlichen Diskursmodells in den DH veranschaulichen. Geisteswissenschaftliche Theorien legen oftmals diskursive Beschreibungsbegriffe fest, die im Unterschied zur Alltagssprache mit bestimmten Implikationen einhergehen sowie interpretative Betrachtungsweisen vorgeben, wie „etwas als etwas“19 zu erschließen ist. Mit anderen Worten, der Phänomenbereich wird durch das theoretische Vokabular neu geordnet und strukturiert.20 In den DH werden Daten als sozio-materielle „data assemblage“21, „capta“22 oder „situated data“23 beschrieben. Die Bezeichnungen adressieren so unterschiedliche Dimensionen und Implikationen des Datenbegriffes in den DH.
Latenzen und Widersprüche: Statistik, Computerlinguistik und DH
Neben den sozial- und geisteswissenschaftlichen Theoriekonzepten spielen in den DH auch mathematische, linguistische und statistische Theoriekonzepte eine Rolle. Während geisteswissenschaftliche Theorien häufig auf semantisch-narrativen Strukturen beruhen, zeichnen sich mathematische, statistische und computerlinguistische Theorien oftmals durch ihre empirische und operative Ausrichtung, Konstruktion von Hypothesen und präzise Formalisierung aus. Zwei Merkmale statistischer Theorien sind für die DH zentral: (1) Theorie und Hypothese und (2) operationale Theorien.
Zum einen lässt sich beobachten, wie statistische Theorien das Verhältnis von Hypothese und Theorie in den DH beeinflussen und transformieren. Während geisteswissenschaftliche Hypothesen oft explorativ aus historischen oder kulturellen Kontexten abgeleitet werden, ist in der Statistik unter anderem die Hypothese integraler Bestandteil des Forschungsprozesses. Sie wird in Wahrscheinlichkeitsverteilungen operationalisiert und systematisch geprüft.24 In der Bayesschen Statistik, die in den DH bei maschinellen Lernverfahren Anwendung findet, wird Vorwissen mit neuer Evidenz kombiniert, um Wahrscheinlichkeiten dynamisch zu aktualisieren.25 Damit wird Theorie nicht nur als erklärendes und interpretierendes, sondern auch als prognostisches Werkzeug genutzt.
Ein weiteres zentrales Merkmal statistischer und mathematischer Theorien ist zum anderen ihre Struktur als operationale Theorien. Wie Gabriele Gramelsberger betont, basieren diese Theorien auf der Transformation abstrakter Wissensobjekte in mathematisierte Prozessobjekte, die so berechenbar werden.26 In den DH wird dieser Ansatz beispielsweise durch die Repräsentation von Texten als Vektoren oder Embeddings deutlich.27 Solche mathematischen Modelle erlauben nicht nur die Berechenbarkeit großer Textkorpora, sondern auch die Simulation komplexer sprachlicher und kultureller Phänomene. In der Computerlinguistik findet diese Transformation Anwendung in der Entwicklung syntaktischer Theorien wie der Konstituenten- oder Dependenzgrammatik.28 Diese Ansätze modellieren die Strukturen natürlicher Sprache als formalisierte Systeme, die maschinell verarbeitet werden können.29
Die Spezifität der theoretischen Konstellationen der DH entsteht folglich aus ihrem Charakter als interdisziplinäres und international vernetztes Forschungsfeld, das geisteswissenschaftliche Denktraditionen mit technologischen Ansätzen verbindet. Während in den DH einerseits Merkmale geisteswissenschaftlicher Theoriebildung fortgesetzt werden, werden diese andererseits durch die Integration von statistischen und computerlinguistischen Theorien transformiert und erweitert.
Theorienarrative
Ein zweiter Zugang zu den Theoriediskursen in den DH ist von Wissenschaftsnarrativen geprägt. In welchen diskursiven Settings spiel(t)en theoretische Erwägungen eine Rolle und warum? Handelt es sich in den DH um lokale oder globale Narrative? Im Folgenden wird dargestellt, wie die Entwicklungslinien der DH von unterschiedlichen Narrativen begleitet werden.
Verzeitlichung der Theoriebildung
Im Jahr 2008 sagte Chris Anderson das „Ende der Theorie“ voraus und vertrat die Ansicht, dass die theoriegeleitete Wissenschaft zunehmend anachronistisch wird.30 Stattdessen postulierte er, dass sich die Zusammenhänge und Erkenntnisse, die sich aus der Analyse großer Datenmengen induktiv ergeben, als wertvoller erweisen werden als die Verallgemeinerungen einer theoriegeleiteten Wissenschaft und Methodik. Obwohl sich Anderson nicht explizit auf die Geisteswissenschaften bezog, haben seine Annahmen auch die theoretischen Diskurse der DH beeinflusst.31 Es fand unter anderem eine Verzeitlichung der Theoriediskurse statt, insofern Fragen nach der Theoriebildung und -arbeit verstärkt unter zeitlichen Aspekten in den Blick genommen wurden.
Eine posttheoretische Position wurde erstens von Tom Scheinfeldt vertreten. Dieser argumentierte, dass der Fokus der DH vor allem auf der Entwicklung von Methoden liegt.32 Ted Underwood hielt in diesem Zusammenhang fest, dass Forschende in den DH bereits datengetriebene Algorithmen verwenden, die bislang nur noch nicht theoretisch reflektiert wurden und im Widerspruch zum Historismus stehen.33 Demgegenüber wurde zweitens eine vortheoretische Position mit Blick auf eine eigene Theoriebildung in den DH vertreten. Julia Flanders und Fotis Jannidis argumentierten, dass es zunächst einmal darum ginge, die Praktiken der DH zu untersuchen, um dann erst mögliche theoretische Schlussfolgerungen zu ziehen.34 Drittens wurde die gegenwärtige Theoriebildung und -arbeit in den DH unter teils konflikthaften forschungspolitischen Verwerfungen bekräftigt.35 Dies drückte sich darin aus, dass die Theoriearbeit, meist abstrakt, als spezifisches Alleinstellungsmerkmal der DH beschrieben wurde.36 Besonders prägend waren hier die Sektion „Theorizing the Digital Humanities“ im ersten Band der Debates in the Digital Humanities sowie die der DH-Theorie gewidmete Sektion „Conversations“ der ersten Ausgabe der Zeitschrift Journal of Digital Humanities, die beide international auf breite Resonanz stießen.37 Die darin enthaltenen Beiträge verdeutlichten die untrennbare Verbindung zwischen Theoriearbeit und geisteswissenschaftlicher Methodik und betonten, dass geisteswissenschaftliche Erkenntnisansprüche ohne eine fundierte theoretische Grundlage kaum vorstellbar sind.38
Neue materialisierte Theorieformen
Die Diskussion um neue Formen und Praktiken des Theoretisierens in den DH lenkte ab den 2010er Jahren die Aufmerksamkeit auf die Materialisierung von theoretischem Wissen in konkrete Softwareanwendungen, Code und Infrastrukturen. Traditionell wird der Prozess des Theoretisierens mit Schreibpraktiken assoziiert.39 Mit Blick auf die Periodisierungen der DH lässt sich das Interesse an neuen, materialisierten Formen von Theorie als ein Resultat der zwischen 2000 bis 2010 stattfindenden Konsolidierung interpretieren.40 Diese Phase zeichnete sich durch ihren generativen und experimentellen Charakter aus, der sich in erster Linie in der Entwicklung von Forschungsumgebungen und digitalen Tools manifestierte. Die Jahre nach 2010 sind durch den Beginn des laboratory turn in den DH markiert, der durch ein starkes Wachstum der Anzahl akademischer Labore geprägt ist.41
In diesem Zusammenhang lässt sich global eine Verschiebung zu neuen wissenschaftlichen Ausdrucksformen in den DH beobachten. So gewann der Begriff building, häufig in Abgrenzung zu writing, an Relevanz. Building bezeichnet wissenschaftliche Bestrebungen für den Aufbau und die Entwicklung digitaler Infrastrukturen und Werkzeuge, die für die damalige DH-Forschung und Lehre unerlässlich waren.42 Die Devise „more hack, less yack“43 wurde vielfach missverstanden und stellte die vermeintliche Vorrangstellung des theoretischen und sprachförmigen Diskurses infrage. Sozio-technische Systeme wurden daraufhin als verkörperte und materialisierte Formen von Theorie verstanden, was sich in Äußerungen wie „every prototype is a theory“44, „every edition is a theory“45 und „the database is the theory“46 widerspiegelte. In der Konsequenz rückten nicht nur materialisierte Theorieformen in den Fokus der DH.47 Vielmehr deutete sich zugleich das Spannungsverhältnis der Theoriearbeit in den DH an, das sich darin äußerte, dass neben Formen der diskursiven Erkenntnis neue materielle Formen traten, die sich auch über ihre demonstrierbare Funktionalität auszeichneten.48 Diese Entwicklungen gingen mit weitreichenden wissenschaftstheoretischen und -soziologischen Implikationen einher, die sich bis in die Gegenwart etwa in der Diskussion um Inklusion, Kooperation und Nachhaltigkeit manifestieren.49
Interferenzen zwischen Theorie und Kritik
Theorie und Kritik beeinflussen sich in den DH wechselseitig und tragen zur disziplinären Profilierung bei. Im internationalen anglophonen Kontext der DH lässt sich jedoch im Gegensatz zum deutschsprachigen Raum eine stärkere Orientierung an den Traditionslinien kritischer Theorien beobachten.50 Ein Ausgangspunkt für die Diskussion des Verhältnisses zwischen kritischer Theorie und den Geisteswissenschaften sind die vermeintlich neoliberalen Dynamiken innerhalb der DH. Kritiker*innen wie Allington et al. (2016) bemängeln, dass sich die DH zu stark auf die Entwicklung technischer Tools konzentrieren und dabei ihre Verantwortung für kritische Reflexion und gesellschaftliches Engagement vernachlässigen. Sie werfen den DH vor, lediglich die ökonomisch-technokratische Rhetorik des Silicon Valley zu reproduzieren.51 Alan Liu hatte bereits im Jahr 2012 auf das Fehlen einer kulturellen Kritik („cultural criticism“52) hingewiesen, die den ethischen und kulturellen Implikationen digitaler Technologien Rechnung trägt. Jüngst hat Matthew Hannah argumentiert, dass die DH eine explizit anti-neoliberale Plattform entwickeln sollten, die auf marxistischer Theorie basiert, um eine politische Ökonomie zu fördern, die die Strukturen des Neoliberalismus in Wissenschaft und Gesellschaft kritisch hinterfragt und aktiv bekämpft.53 Diese Debatten haben dazu geführt, dass im internationalen anglophonen Theoriediskurs das Narrativ einer notwendigen kritischen Wende, die die kulturellen, sozialen und ökologischen Dimensionen der DH stärker reflektiert, an Bedeutung gewonnen hat.54 Der sogenannte critical turn55 erfordert eine Auseinandersetzung mit der Digitalisierung als gesamtgesellschaftlichem Transformationsprozess. Gegenstand dieses Narrativs ist das Digitale selbst, das es zu analysieren gilt. Kritik und Reflexion, so David Berry und Anders Fagerjord, sind wichtig, damit die DH ihr kritisches Potenzial entfalten.56
Die Narrative in den DH offenbaren die enge Verflechtung von Theoriebildung und forschungspolitischen Debatten. Dabei reichen die Narrative von der Verzeitlichung der Theoriediskurse über materialisierte Theorieformen in digitalen Werkzeugen bis hin zu einem aktuellen critical turn, der eine kritisch-reflexive Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Implikationen digitaler Technologien fordert.
Theoriemomentaufnahmen
Im Rahmen eines dritten Zugangs erfolgt nun eine vergleichende Untersuchung der aktuellen Theoriebezüge in den BoA der internationalen ADHO- und der auf den deutschsprachigen Raum begrenzten DHd-Konferenzen in den Jahren 2022 bis 2024. Gegenstand der Untersuchung ist die Anzahl der Beiträge, die sich mit oder über Theorien im weitesten Sinne äußern. Es wird dabei die Frage gestellt, ob lokale und globale Theoriepräferenzen auszumachen sind. Diese exemplarische Untersuchung soll als Momentaufnahme der aktuellen Theoriediskurse dienen und zur weiteren Reflexion über die Rolle von Theorie in den DH anregen.57
Für die vorliegende Untersuchung wurden insgesamt 1.580 Abstracts der ADHO- und DHd-Konferenzen aus den Jahren 2022 bis 2024 einer Analyse unterzogen.58 Die DHd-Community ist auch Teil der ADHO-Community, sodass sich viele Einreichende auf beiden Konferenzen engagieren. Die Abstracts liegen in deutscher, englischer und französischer Sprache vor. Für die Untersuchung der Theoriebezüge wurden die Suchbegriffe „theor*“ und „hermeneu*“ ausgewählt. Das Ziel der datengestützten Untersuchung bestand darin, alle Abstracts manuell zu erfassen, die im weitesten Sinne Theoriebezüge aufweisen. Dies impliziert, dass neben Abstracts, die sich ausdrücklich mit theoretischen Ansätzen oder Konzepten befassen, auch solche zu finden sind, die eher allgemein von „theoretischen Perspektiven“ bzw. „theoretical reflections“ sprechen oder lediglich das Begriffspaar „Theorie und Praxis“, „theory and practice“ bzw. „théorie et pratique“ verwenden. Im Rahmen der Untersuchung wurden folgende Elemente tabellarisch dokumentiert: Titel, Autor*innen, Konferenzformat, Kontextinformationen (KWIC), Nennungen spezifischer theoretischer Ansätze (z. B. Literaturtheorie, kritische Theorien), Theoriekontexte (z. B. Theorie und Praxis, theoretische Frameworks) sowie mögliche Referenzen (z. B. Bourdieu, Kristeva). Darin eingeschlossen sind auch Beiträge, die sich unter anderem mit dem Gegenstand der Theorie bzw. theoretischen Schriften von Autor*innen beschäftigen.
Frequenz theoriebezogener Beiträge
Die Analyse der Häufigkeit theoriebezogener Abstracts bietet einen Überblick über das Verhältnis zwischen theoriebezogenen Abstracts und der Gesamtzahl der Abstracts im BoA. Die gewählte Vorgehensweise, „theor*“ als allgemeinen und spezifischen Suchbegriff für theoretische Ansätze und „hermeneu*“ als spezifischen Theorieansatz zu verwenden, könnte jedoch dazu führen, dass die Hermeneutik in der Datenanalyse überrepräsentiert ist. Deshalb wurden die Ergebnisse für den Suchbegriff „theor*“ noch einmal nach verschiedenen Theorieansätzen kategorisiert, beispielsweise nach kritischen Theorien oder Literaturtheorie. Diese Kategorisierung erfolgte induktiv.
Die Abbildung 1 stellt die Gesamtanzahl der Abstracts im BoA und die Anzahl der Abstracts mit Theoriebezug für die ADHO- und die DHd-Konferenzen in den Jahren 2022, 2023 und 2024 gegenüber. Die Konstanz des Anteils theoriebezogener Abstracts über den betrachteten Zeitraum lässt vermuten, dass die Theoriearbeit ein integraler Bestandteil der Forschungsaktivitäten ist. Mit Blick auf die prozentualen Anteile wird deutlich, dass die DHd-Konferenzen insgesamt einen leicht höheren Anteil an theoriebezogenen Abstracts als die ADHO-Konferenzen aufweisen.
Theoretische Repertoires im Vergleich
Neben der Analyse der Frequenz theoriebezogener Abstracts ist die Untersuchung lokaler und globaler Theoriepräferenzen von Interesse. Während die Frequenzanalyse alle Abstracts mit Theoriebezügen im weitesten Sinne in den Fokus rückt, geht es nun um konkrete theoretische Ansätze, die von den Autor*innen genannt werden. Im Rahmen der Datenaufbereitung wurden zunächst alle konkreten Nennungen von Theorien ins Englische übersetzt, um eine bessere Vergleichbarkeit des Theorierepertoires zu gewährleisten. Insgesamt lassen sich in den BoA der ADHO-Konferenz 201 und der DHd-Konferenz 127 verschiedene Theorieansätze identifizieren.59
Die Abbildung 2 zeigt die prozentuale Nennung spezifischer theoretischer Ansätze in den Abstracts der ADHO- und der DHd-Konferenzen im Zeitraum von 2022 bis 2024. In beiden Konferenzreihen stehen hermeneutische Theorieansätze an erster Stelle. Dies unterstreicht die zentrale Bedeutung der Hermeneutik als Theorie und Methodenlehre des Interpretierens und Verstehens. Die literaturtheoretischen Ansätze, die auch auf beiden Konferenzen vertreten sind, deuten auf eine textzentrierte Ausrichtung der ADHO und DHd hin.60 Gleichzeitig hat sich die Literaturkritik und -theorie in den letzten Jahrzehnten als ein zentraler Indikator für Technologiekritik etabliert. Literaturtheoretische Methoden werden verwendet, um technologische Phänomene und deren Implikationen aus geisteswissenschaftlicher Perspektive zu analysieren und zu dekonstruieren.61 Während auf den ADHO-Konferenzen ein breites Spektrum an kritischen Theorien wie postkolonialer und dekolonialer Theorie,62 feministischer Theorie und Critical Race Theory diskutiert wird, sind die DHd-Konferenzen als Teil der ADHO-Community stärker auf methodologische und wissenschaftstheoretische Ansätze fokussiert, wie die Nennungen der Grounded-Theory-Methodologie (GTM)63 und der Wissenschaftstheorie zeigen.
Die Analyse der Abstracts der ADHO- und DHd-Konferenzen zeigt Tendenzen in der theoretischen Ausrichtung und den bevorzugten Theorieansätzen auf. Während beide Konferenzen hermeneutische und literaturtheoretische Ansätze, das heißt interpretative Theorien, am häufigsten referenzieren, unterscheiden sich die Abstracts der beiden Konferenzen hinsichtlich des Umgangs mit kritischen Theorien. Diese lokalen und globalen Präferenzen in der Theoriearbeit lassen sich als Hinweis auf unterschiedliche disziplinäre Traditionen zwischen Geisteswissenschaften und Humanities interpretieren. Die internationale Ausrichtung auf kritische Theorien könnte ferner mit dem Bestreben zusammenhängen, die ADHO-Konferenz stärker in aktuelle gesellschaftliche Debatten einzubinden, während die DHd einen stärker methodologisch orientierten Diskurs pflegen, der unter anderem wissenschaftstheoretische Erwägungen einbezieht. In diesem Zusammenhang spielen auch die Unterschiede in der Begutachtung eine Rolle. Ein Begutachtungskriterium der ADHO-Konferenz ist unter anderem die Passung zum Konferenzthema, das ggf. bestimmte theoretische Konzepte einschließt.64 Häufig ist jedoch, dass in den Abstracts der beiden Konferenzen statistische Theorien nicht explizit erwähnt werden.
Diskussion
Die Beschreibung der Theoriediskurse zeigt ein dynamisches Zusammenspiel unterschiedlicher Theoriekonzepte, heterogener Narrative und divergenter Praktiken, das dem Theoriepluralismus der Geisteswissenschaften im besonderen Maße Rechnung trägt. Die DH weisen eine facettenreiche Theoriekultur auf, die sich nicht in einer vereinheitlichenden großen Erzählung der Theorie in den DH zusammenfassen lässt. Auf lokaler Ebene nimmt die Theoriearbeit eine entscheidende Rolle bei der Kontextualisierung von Forschung ein, beispielsweise im Hinblick auf die Auswahl von Methoden oder die Generierung von Hypothesen. Auf globaler Ebene sind Theorien unabdingbar, um einen gemeinsamen Diskursrahmen zu etablieren, der den internationalen Austausch fördert und die DH in gesellschaftliche und wissenschaftliche Debatten integriert. In Anbetracht dieser Vielschichtigkeit lassen sich abschließend drei offene Fragen identifizieren, die für die weitere Diskussion wichtig sind.
Eine erste Frage betrifft die Bedingungen der Möglichkeit von DH-Theorien. Dabei hängt die Entwicklung spezifischer DH-Theorien zum einen davon ab, wie die DH als Forschungsfeld verstanden werden. Sollten die DH primär als methodologische Erweiterung einzelner Fachdisziplinen betrachtet werden, gewinnen die jeweiligen fachspezifischen Theorietraditionen an Relevanz.65 Versteht man Theorie als Erklärung eines Gegenstandsbereiches, erweist sich vor allem die Heterogenität der epistemischen Gegenstände in den DH als Herausforderung.66 Insbesondere im deutschsprachigen Raum wird in der Einführung in die Digital Humanities von Jannidis et al. (2017) die Theoriebildung in den Medienwissenschaften verortet, genauer gesagt als Theorien digitaler Medien begriffen.67 Zum anderen ist die Theoriebildung eng mit den institutionellen und strukturellen Rahmenbedingungen verknüpft. Im deutschsprachigen Raum widmet sich u. a. die DHd-Arbeitsgruppe Digital Humanities Theorie der Vermittlung von Theorie in Forschung und Lehre.
Zweitens steht die Theoriebildung und -arbeit in den DH vor der Herausforderung, die epistemischen Prämissen und Heuristiken des globalen Nordens zu erweitern. So wird die epistemische Vielfalt durch die Dominanz westlicher, insbesondere anglophoner und europäischer Perspektiven eingeschränkt.68 Theorien, die sich mit alternativen Wissenssystemen, nicht-westlichen epistemischen Traditionen oder mündlichen und non-verbalen Kulturen beschäftigen, sind weniger präsent. Hier besteht die Gefahr, dass die DH unbewusst hegemoniale Wissensstrukturen reproduzieren.
Drittens ist angesichts der rasanten Entwicklung der Künstlichen Intelligenz (KI), genauer gesagt großer generativer Sprachmodelle, zu fragen, wie sich die Theoriebildung und -arbeit in den DH verändert. Welche Konzepte und Narrative von Theorien werden von generativen Sprachmodellen übernommen, verstärkt oder nachgeahmt? Inwiefern können generative Sprachmodelle Prozesse des Theoretisierens unterstützen? Die DH stehen vor der Aufgabe, theoretische Rahmenwerke und kritische Beschreibungsvokabulare zu etablieren und zu entwickeln.
Schluss und Ausblick
Theoriebildung und -arbeit sind notwendige Bestandteile wissenschaftlicher Praxis in den DH. Theorien schaffen Orientierung im heterogenen Forschungsbereich der DH und ermöglichen einen Brückenschlag zwischen unterschiedlichen Disziplinen, Fachkulturen und Forschungskontexten. Dabei vereinen die DH erstens eine Vielzahl an theoretischen Konzepten, die von geisteswissenschaftlichen Denktraditionen bis hin zu statistischen und computerlinguistischen Konzepten reichen. Die Narrative in den DH verdeutlichen zweitens, dass Theoriearbeit eng mit der historischen Entwicklung des Forschungsfeldes verbunden ist. Von der frühen Konsolidierung in den 2000er Jahren bis hin zum critical turn der letzten Jahre hat sich die Rede über Theorie kontinuierlich transformiert. Die datengestützte Untersuchung der BoA der ADHO- und DHd-Konferenzen im Zeitraum von 2022 bis 2024 zeigt drittens Unterschiede in den Theoriepräferenzen. Während die ADHO-Konferenzen ein breiteres Spektrum kritischer Theorien integrieren, liegt der Fokus der DHd als Teil der ADHO-Community stärker auf methodologischen und wissenschaftstheoretischen Ansätzen. Diese Tendenzen spiegeln nicht nur unterschiedliche akademische Traditionen und institutionelle Rahmenbedingungen wider, sondern verdeutlichen vielmehr, wie sich innerhalb einer übergreifenden Community unterschiedliche Zugänge zur Theoriearbeit ausbilden.
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Anmerkungen
- 1 Willard McCarty, „Humanities Computing,“ in Encyclopedia of Library and Information Science, hg. von Miriam A. Drake (New York: Marcel Dekker, 2003), 1124–235.
- 2 Rabea Kleymann et al., „Conceptual Forays: A Corpus-Based Study of ‚Theory‘ in Digital Humanities Journals,“ Journal of Cultural Analytics 7, Nr. 4 (19. Dezember 2022), https://doi.org/10.22148/001c.55507; Rabea Kleymann, „Theorie,“ Begriffe der Digital Humanities. Ein diskursives Glossar, Zeitschrift für digitale Geisteswissenschaften / Working Papers 2 (2024), https://doi.org/10.17175/wp_2023_013_v2.
- 3 Alan Liu, „Toward a Diversity Stack: Digital Humanities and Diversity as Technical Problem,“ PMLA 135, Nr. 1 (2020): 130–51.
- 4 Lauren F. Klein und Matthew K. Gold, „Introduction: Digital Humanities: The Expanded Field,“ in Debates in the Digital Humanities 2016, Nr. 2, hg. von Matthew K. Gold und Lauren F. Klein (Minneapolis: University of Minnesota Press, 2016), https://doi.org/10.5749/9781452963761.
- 5 Angelica Nuzzo, „Theorie,“ in Enzyklopädie Philosophie 2, hg. von Hans Jörg Sandkühler (Hamburg: Meiner, 1999), 1620–24; Jane Elliott und Derek Attridge, „Introduction: Theory’s Nine Lives,“ in Theory after Theory, hg. von Jane Elliott und Derek Attridge (London: Routledge, 2011), 1–17; Jürgen Mittelstraß, „Theorie,“ in Lexikon der Geisteswissenschaften: Sachbegriffe – Disziplinen – Personen, hg. von Helmut Reinalter und Peter J. Brenner (Wien: Böhlau, 2011), 785–87, https://doi.org/10.7767/boehlau.9783205790099.785b; Karl-Heinz Lembeck, „Theorie,“ in Neues Handbuch philosophischer Grundbegriffe 3, hg. von Petra Kolmer und Armin G. Wildfeuer (Freiburg im Breisgau: Karl Alber, 2011), 2180–94; Hervé Corvellec, Hg., What is Theory? Answers from the Social and Cultural sciences (Stockholm: Copenhagen Business School Press, 2013); Nora Mills Boyd und James Bogen, „Theory and Observation in Science,“ in The Stanford Encyclopedia of Philosophy, hg. von Edward N. Zalta (Stanford: Stanford University, 2021), https://plato.stanford.edu/archives/win2021/entries/science-theory-observation/.
- 6 Stefan Haas, „Theoriemodelle der Zeitgeschichte,“ in Docupedia-Zeitgeschichte (2012), https://doi.org/10.14765/ZZF.DOK.2.788.V2.
- 7 AG Digital Humanities Theorie (Blog), Hypotheses, aufgerufen am 30. November 2024, https://dhtheorien.hypotheses.org/.
- 8 Tessa Gengnagel, „Vom Topos des Scheiterns als konstituierender Kraft: Ein Essay über Erkenntnisprozesse in den Digital Humanities,“ in Fabrikation von Erkenntnis – Experimente in den Digital Humanities, hg. von Manuel Burghardt et al. (Wolfenbüttel: ZfdG, 2022), https://doi.org/10.17175/SB005_011.
- 9 Jacob Ludwig Karl Grimm, „Über den Werth der ungenauen Wissenschaften,“ in Texte zur Theorie der Geisteswissenschaften, hg. von Athena Panteos und Tim Rojek (Stuttgart: Reclam, 2016), 58–63 (thematisiert in Gerhard Lauer, „Die digitale Vermessung der Kultur. Geisteswissenschaften als Digital Humanities,“ in Big Data: Das neue Versprechen der Allwissenheit, hg. von Heinrich Geiselberger und Tobias Moorstedt (Berlin: Suhrkamp, 2013), 99–116); Heinrich Rickert, „Kulturwissenschaft und Naturwissenschaft,“ in Texte zur Theorie der Geisteswissenschaften, hg. von Athena Panteos und Tim Rojek (Stuttgart: Reclam, 2016), 81–104 (thematisiert in Jean-Gabriel Ganascia, „The Logic of the Big Data Turn in Digital Literary Studies,“ Frontiers in Digital Humanities 2 (2. Dezember 2015), https://doi.org/10.3389/fdigh.2015.00007); Wilhelm Dilthey, „Der Aufbau der geschichtlichen Welt in den Geisteswissenschaften,“ in Texte zur Theorie der Geisteswissenschaften, hg. von Athena Panteos und Tim Rojek (Stuttgart: Reclam, 2016), 120–33 (thematisiert in Sybille Krämer, „Should We Really ‚Hermeneutise‘ the Digital Humanities? A Plea for the Epistemic Productivity of a ‚Cultural Technique of Flattening‘ in the Humanities,“ Journal of Cultural Analytics 7, Nr. 4 (30. Januar 2023), https://doi.org/10.22148/001c.55592).
- 10 Charles Percy Snow, „The Two Cultures,“ in Texte zur Theorie der Geisteswissenschaften, hg. von Athena Panteos und Tim Rojek (Stuttgart: Reclam, 2016), 164–77.
- 11 Andrea Hunter, „Digital Humanities as Third Culture,“ MedieKultur: Journal of Media and Communication Research 30, Nr. 57 (19. Dezember 2014), https://doi.org/10.7146/mediekultur.v30i57.16318.
- 12 In den Geistes- und Sozialwissenschaften werden oftmals vier geisteswissenschaftliche Theoriekonzepte unterschieden: (1) Erklärung eines Gegenstandsbereiches; (2) Interpretation als kontextabhängige Konzeptualisierung von Bedeutungskonstruktionen; (3) allgemeine epistemologische und ontologische Analyserahmen, auch im Sinne einer Weltanschauung; (4) Studium, Interpretation, Analyse, Kritik und Exegese klassischer Werke. Forschungsbeiträge zur geisteswissenschaftlichen und soziologischen Theoriearbeit: Gabriel Abend, „The Meaning of ‚Theory‘,“ Sociological Theory 26, Nr. 2 (Juni 2008): 173–99, https://doi.org/10.1111/j.1467-9558.2008.00324.x; Mikael Carleheden, „Unchain the Beast! Pluralizing the Method of Theorizing,“ in Die Praxis soziologischer Theoriebildung, hg. von André Armbruster und Fabian Anicker (Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden, 2024), 17–43, https://doi.org/10.1007/978-3-658-44055-8; Sebastian M. Büttner, „Was heißt Theoretisieren? Zur Vielfalt von Theoriearbeit in der Soziologie,“ in Die Praxis soziologischer Theoriebildung, hg. von André Armbruster und Fabian Anicker (Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden, 2024), https://doi.org/10.1007/978-3-658-44055-8; Steffen Martus und Carlos Spoerhase, Geistesarbeit: Eine Praxeologie der Geisteswissenschaften (Berlin: Suhrkamp, 2022).
- 13 Kleymann et al., „Conceptual Forays“; Jonathan D. Geiger et al., „How to Do Theory: Reflexive Praktiken in der DH Lehre“ (DHd 2024 Quo Vadis DH, Passau, 21. Februar 2024), https://doi.org/10.5281/ZENODO.10698450.
- 14 Kleymann et al., „Conceptual Forays“.
- 15 Peter J. Brenner, „Hermeneutik/Interpretation/Verstehen,“ in Lexikon der Geisteswissenschaften: Sachbegriffe– Disziplinen– Personen, hg. von Helmut Reinalter und Peter J. Brenner (Wien: Böhlau Verlag, 2011), 314–23, https://doi.org/10.7767/boehlau.9783205790099.314.
- 16 Joris J. van Zundert, „Screwmeneutics and Hermenumericals: The Computationality of Hermeneutics,“ in A New Companion to Digital Humanities, hg. von Susan Schreibman et al. (Malden, Oxford: Wiley & Sons, 2016), 331–47; Andreas Fickers, „Update für die Hermeneutik: Geschichtswissenschaft auf dem Weg zur digitalen Forensik?,“ Zeithistorische Forschungen – Studies in Contemporary History 17, Nr. 1 (2020): 157–68, https://doi.org/10.14765/ZZF.DOK-1765; Torsten Hiltmann, „Hermeneutik in Zeiten der KI,“ in KI :Text: Diskurse über KI-Textgeneratoren, hg. von Gerhard Schreiber und Lukas Ohly (Boston: De Gruyter, 2024), 201–32, https://doi.org/10.1515/9783111351490-014.
- 17 Richard Rogers, Digital Methods (Cambridge, Mass.: The MIT Press, 2013); Johanna Drucker, The Digital Humanities Coursebook: An Introduction to Digital Methods for Research and Scholarship (New York: Routledge, 2021); Lina Franken, Digitale Methoden für qualitative Forschung: Computationelle Daten und Verfahren (Stuttgart: utb, 2022), https://doi.org/10.36198/9783838559476.
- 18 Büttner, „Was heißt Theoretisieren? Zur Vielfalt von Theoriearbeit in der Soziologie,“ 51; Geiger et al., „How to Do Theory“.
- 19 Fabian Anicker, „Der Kern des Theorizing – zur allgemeinen Methode theoretischer Forschung,“ in Die Praxis soziologischer Theoriebildung, hg. von André Armbruster und Fabian Anicker (Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden, 2024), 287, https://doi.org/10.1007/978-3-658-44055-8.
- 20 Peter V. Zima, Was ist Theorie? Theoriebegriff und Dialogische Theorie in den Kultur- und Sozialwissenschaften (Tübingen: A. Francke Verlag, 2017), 20.
- 21 Rob Kitchin und Tracey P. Lauriault, „Towards Critical Data Studies: Charting and Unpacking Data Assemblages and Their Work,“ in Geoweb and Big Data (Lincoln: University of Nebraska Press, 2014).
- 22 Johanna Drucker, „Humanities Approaches to Graphical Display,“ DHQ: Digital Humanities Quarterly 5, Nr. 1 (2011), http://digitalhumanities.org/dhq/vol/5/1/000091/000091.html.
- 23 Matthew Lavin, „Why Digital Humanists Should Emphasize Situated Data over Capta,“ Digital Humanities Quarterly 15, Nr. 2 (2021), http://www.digitalhumanities.org/dhq/vol/15/2/000556/000556.html.
- 24 Jan-Willem Romeijn, „Philosophy of Statistics,“ in The Stanford Encyclopedia of Philosophy, hg. von Edward N. Zalta und Uri Nodelman (Stanford: Stanford University, 2022), https://plato.stanford.edu/archives/fall2022/entries/statistics/.
- 25 Folgert Karsdorp et al., Humanities Data Analysis: Case Studies with Python (Princeton: Princeton University Press, 2021).
- 26 Gabriele Gramelsberger, Operative Epistemologie. (Re-)Organisation von Anschauung und Erfahrung durch die Formkraft der Mathematik (Hamburg: Felix Meiner Verlag, 2020), 297, https://doi.org/10.28937/978-3-7873-3900-6.
- 27 Peer Trilcke und Frank Fischer, „Literaturwissenschaft als Hackathon. Zur Praxeologie der Digital Literary Studies und ihren epistemischen Dingen,“ in Wie Digitalität die Geisteswissenschaften verändert: Neue Forschungsgegenstände und Methoden, hg. von Martin Huber und Sybille Krämer, Zeitschrift für digitale Geisteswissenschaften / Sonderbände, 3. Wolfenbüttel: ZfdG, 2018. https://doi.org/10.17175/SB003_003; Michael Gavin, „Is There a Text in My Data? (Part 1): On Counting Words,“ Journal of Cultural Analytics 5, Nr. 1 (25. Januar 2020), https://doi.org/10.22148/001c.11830.
- 28 Melanie Andresen, Computerlinguistische Methoden für die Digital Humanities: Eine Einführung für Geisteswissenschaftler:innen (Tübingen: Gunter Narr Verlag, 2024), https://doi.org/10.24053/9783823395799.
- 29 Axel Pichler und Nils Reiter, „Zur Operationalisierung literaturwissenschaftlicher Begriffe in der algorithmischen Textanalyse. Eine Annäherung über Norbert Altenhofers hermeneutische Modellinterpretation von Kleists Das Erdbeben in Chili, “Journal of Literary Theory 15, Nr. 1 (März 2021): 1–29.
- 30 Chris Anderson, „The End of Theory: The Data Deluge Makes the Scientific Method Obsolete,“ in Wired (23. Juni 2008), https://www.wired.com/2008/06/pb-theory/.
- 31 Jean Bauer, „Who You Calling Untheoretical?, “Journal of Digital Humanities 1, Nr. 1 (2011), https://journalofdigitalhumanities.org/1-1/who-you-calling-untheoretical-by-jean-bauer/.
- 32 Gary Hall, „Has Critical Theory Run Out of Time for Data-Driven Scholarship?,“ in Debates in the Digital Humanities, Nr. 1, hg. von Matthew K. Gold (Minneapolis: University of Minnesota Press, 2012), https://doi.org/10.5749/9781452963754.
- 33 Ted Underwood, „Theorizing Research Practices We Forgot to Theorize Twenty Years Ago,“ Representations 127, Nr. 1 (2014): 64–72, https://doi.org/10.1525/rep.2014.127.1.64.
- 34 Julia Flanders und Fotis Jannidis, „Knowledge Organization and Data Modeling in the Humanities“ (aus einem Workshop entstanden, Universität Würzburg, 2015), 3, urn:nbn:de:bvb:20-opus-111270.
- 35 Beatrice Fazi, „The Ends of Media Theory,“ Manifestos. Media Theory 1, Nr. 1 (2017): 107–21.
- 36 Johanna Drucker, „Humanistic Theory and Digital Scholarship,“ in Debates in the Digital Humanities, Nr. 1, hg. von Matthew K. Gold (Minneapolis: University of Minnesota Press, 2012), https://doi.org/10.5749/9781452963754; Rafael C. Alvarado, „Digital Humanities and the Great Project: Why We Should Operationalize Everything and Study Those Who Are Doing So Now,“ in Debates in the Digital Humanities 2019, Nr. 5, hg. von Matthew K. Gold und Lauren F. Klein (Minneapolis: University of Minnesota Press, 2019), https://doi.org/10.5749/9781452963785.
- 37 Matthew K. Gold, Hg., „Part II: Theorizing the Digital Humanities,“ in Debates in the Digital Humanities, Nr. 1(Minneapolis: University of Minnesota Press, 2012), https://doi.org/10.5749/9781452963754; Daniel J. Cohen und Joan Fragaszy Troyano, Hg., „Conversations,“ Journal of Digital Humanities1, Nr. 1(2011), https://journalofdigitalhumanities.org/1-1/.
- 38 Drucker, „Humanistic Theory and Digital Scholarship.“
- 39 Robert Schmidt, „Theoretisieren: Fragen und Überlegungen zu einem konzeptionellen und empirischen Desiderat der Soziologie der Praktiken,“ in Sozialtheorie, hg. von Hilmar Schäfer (Bielefeld: transcript Verlag, 2016), 251, https://doi.org/10.14361/9783839424049-012.
- 40 Schnapp, Jeffrey, Todd Presner und Peter Lunenfeld. „Digital Humanites Manifesto 2.0.“ Jeffrey Schnapp (Blog). 29.05.2009, aufgerufen am 24.10.2025. https://jeffreyschnapp.com/wp-content/uploads/2011/10/Manifesto_V2.pdf; David M. Berry, „The Computational Turn: Thinking About the Digital Humanities,“ Culture Machine 12 (2011): 1–22.
- 41 Urszula Pawlicka-Deger, „The Laboratory Turn: Exploring Discourses, Landscapes, and Models of Humanities Labs,“ Digital Humanities Quarterly 14, Nr. 3 (2020), http://www.digitalhumanities.org/dhq/vol/14/3/000466/000466.html.
- 42 Stephen Ramsay und Geoffrey Rockwell, „Developing Things: Notes Toward an Epistemology of Building in the Digital Humanities,“ in Debates in the Digital Humanities, Nr. 1, hg. von Matthew K. Gold (Minneapolis: University of Minnesota Press, 2012), https://doi.org/10.5749/9781452963754; Stephen Ramsay, „On Building,“ in Defining Digital Humanities, hg. von Melissa Terras et al. (Farnham: Taylor & Francis, 2013), 243–45.
- 43 Claire Warwick, „Building Theories or Theories of Building? A Tension at the Heart of Digital Humanities,“ in A New Companion to Digital Humanities, hg. von John Unsworth et al. (Chichester, Malden: John Wiley & Sons Ltd, 2016), 538–52, https://doi.org/10.1002/9781118680605.ch37.
- 44 Alan Galey und Stan Ruecker, „How a Prototype Argues,“ Literary and Linguistic Computing 25, Nr. 4 (2010): 405–24, https://doi.org/10.1093/llc/fqq021.
- 45 Galey und Ruecker, „How a Prototype Argues.“
- 46 Bauer, „Who You Calling Untheoretical?“
- 47 Rabea Kleymann, „Theory by Other Means? Prototypes in Digital Humanities Laboratories,“ in Digital Humanities and Laboratories: Perspectives on Knowledge, Infrastructure and Culture, hg. von Urszula Pawlicka-Deger und Christopher Thomson (London: Routledge, 2023), 137–56, https://doi.org/10.4324/9781003185932.
- 48 Vgl. Sascha Dickel, „Irritierende Objekte: Wie Zukunft prototypisch erschlossen wird,“ BEHEMOTH A Journal on Civilisation 10, Nr. 1 (2017): 186.
- 49 Bethany Nowviskie, „On the Origin of ‚Hack‘ and ‚Yack‘,“ in Debates in the Digital Humanities 2016, Nr. 2, hg. von Matthew K. Gold und Lauren F. Klein (Minneapolis: University of Minnesota Press, 2016), https://doi.org/10.5749/9781452963761; Margaret Linley, „Ecological Entanglements of DH,“ in Debates in the Digital Humanities 2016, Nr. 2, hg. von Matthew K. Gold und Lauren F. Klein (Minneapolis: University of Minnesota Press, 2016), https://doi.org/10.5749/9781452963761; Jeremy Boggs et al., „Making it Matter“, in Making Things and Drawing Boundaries, hg. von Jentery Sayers (Minneapolis: University of Minnesota Press, 2018), https://doi.org/10.5749/9781452963778; Dibyadyuti Roy und Nirmala Menon, „No ‚Making,‘ Not Now. Decolonizing Digital Humanities in South Asia,“ in Global Debates in the Digital Humanities, Nr. 8, hg. von Domenico Fiormonte et al. (Minneapolis: University of Minnesota Press, 2022), https://doi.org/10.5749/9781452968919.
- 50 Tessa Gengnagel, A Tale of Two Cultures: Zum transatlantischen DH-Diskurs (Zenodo, 12. April 2021), https://doi.org/10.5281/ZENODO.6344038; Barbara Cassin, Hg., Dictionary of Untranslatables: A Philosophical Lexicon (Princeton: Princeton University Press, 2017), http://www.oxfordreference.com/view/10.1093/acref/9780190681166.001.0001/acref-9780190681166.
- 51 Daniel Allington et al., „Neoliberal Tools (and Archives): A Political History of Digital Humanities,“ in Los Angeles Review of Books (1. Mai 2016), https://lareviewofbooks.org/article/neoliberal-tools-archives-political-history-digital-humanities/.
- 52 Alan Liu, „Where Is Cultural Criticism in the Digital Humanities?,“ in Debates in the Digital Humanities, Nr. 1, hg. von Matthew K. Gold (Minneapolis: University of Minnesota Press, 2012), https://doi.org/10.5749/9781452963754.
- 53 Matthew N. Hannah, „Towards a Political Economy of Digital Humanities,“ in Debates in the Digital Humanities 2023, Nr. 9, hg. von Matthew K. Gold und Lauren F. Klein (Minneapolis: University of Minnesota Press, 2023), https://doi.org/10.5749/9781452969565.
- 54 David M. Berry, Critical Theory and the Digital (New York: Bloomsbury, 2014); John Hunter, „The Digital Humanities and ‚Critical Theory‘: An Institutional Cautionary Tale,“ in Debates in the Digital Humanities 2019, Nr. 5, hg. von Matthew K. Gold und Lauren F. Klein (Minneapolis: University of Minnesota Press, 2019), https://doi.org/10.5749/9781452963785; James E. Dobson, Critical Digital Humanities: The Search for a Methodology (Urbana Illinois: University of Illinois Press, 2019), https://doi.org/10.5406/j.ctvfjd0mf; Jennifer Edmond und Pat Treusch, „Human, Technology, and Culture Interaction? Mapping the Landscape of Technological ‚Sister‘ Disciplines,“ in Digital Humanities 2023: Book of Abstracts, hg. von Anne Baillot et al. (Zenodo, 2023), 140–41, https://doi.org/10.5281/zenodo.8210808.
- 55 David M. Berry und Anders Fagerjord, Digital Humanities: Knowledge and Critique in a Digital Age (Cambridge, Malden: Polity, 2017), 3.
- 56 Berry und Fagerjord, Digital Humanities, 11.
- 57 Zukünftige Forschungen könnten eine umfassendere Datenerhebung und differenzierte methodologische Ansätze verfolgen, um tiefere Einblicke in die Entwicklung theoretischer Präferenzen und deren Interferenzen zwischen globalen und lokalen DH-Communities zu ermöglichen.
- 58Michaela Geierhos, „DHd2022: Kulturen des digitalen Gedächtnisses. Konferenzabstracts“ (Zenodo, 2022), https://doi.org/10.5281/ZENODO.6304590; Yifan Wang et al., Hg., „Digital Humanities 2022, Responding to Asian Diversity“ (Digital Humanities 2022, Tokio, 2022), https://web.archive.org/web/20251007100919/https://dh2022.dhii.asia/dh2022bookofabsts.pdf; Anne Baillot et al., Digital Humanities 2023: Book of Abstracts (Zenodo, 2023), https://doi.org/10.5281/zenodo.7961822; Anna Busch und Peer Trilcke, „DHd2023: Open Humanities, Open Culture“ (Zenodo, 2023), https://doi.org/10.5281/ZENODO.7688632; Jajwalya Karajgikar et al., DH2024 Book of Abstracts (Zenodo, 2024), https://doi.org/10.5281/ZENODO.13761079; Joëlle Weis et al., Book of Abstracts - DHd2024 (Zenodo, 2024), https://doi.org/10.5281/ZENODO.10686565.
- 59 Bei der Kategorisierung wurden nur solche Theoriekonzepte berücksichtigt, die von den Beitragenden auch explizit als „Theorie“ benannt werden. Statistische Theorien, die beispielsweise bei der Verwendung des Bayes-Klassifikators nur implizit zum Einsatz kommen, werden nicht berücksichtigt.
- 60 Jan Christoph Meister et al., „Modelling Interpretation in 3DH: New Dimensions of Visualization,“ in Digital Humanities 2017 (Montréal, Canada, 2017), 305–7, https://dh2017.adho.org/abstracts/058/058.pdf.
- 61 Federica Frabetti, Software Theory: A Cultural and Philosophical Study (London: Rowman & Littlefield, 2015); Mark C. Marino, „Reading Culture Through Code,“ in Routledge Companion to Media Studies and Digital Humanities (New York: Routledge, 2018), 472–82, https://doi.org/10.17613/M6CZ3244W; Ranjodh Singh Dhaliwal, „What Do We Critique When We Critique Technology?,“ American Literature 95, Nr. 2 (1. Juni 2023): 305–19, https://doi.org/10.1215/00029831-10575091.
- 62 Für die Analyse wurden post- und dekoloniale theoretische Ansätze zusammengeführt. In zukünftigen Untersuchungen des Datensatzes soll die Diversität der kritischen Theorien in anglophonen Kontexten genauer untersucht werden. Vgl. Gurminder K. Bhambra, „Postcolonial and Decolonial Dialogues,“ Postcolonial Studies 17, Nr. 2 (3. April 2014): 115–21, https://doi.org/10.1080/13688790.2014.966414.
- 63 Barney G. Glaser und Anselm L. Strauss, The Discovery of Grounded Theory: Strategies for Qualitative Research (New York: Aldine, 1980).
- 64 Vergleich der ADHO-Konferenzthemen: „Responding to Asian Diversity“ (2022), „Collaboration as Opportunity” (2023), „Reinvention and Responsibility” (2024).
- 65 Jonathan D. Geiger et al., „Literaturtheorie und Digital-Humanities-Theorie,“ Textpraxis. Digitales Journal für Philologie Sonderausgabe # 7, Nr. 2 (2023): 1–5. https://doi.org/10.17879/19958483500.
- 66 Trilcke und Fischer, „Literaturwissenschaft als Hackathon.“
- 67 Ramón Reichert, „Theorien digitaler Medien,“ in Digital Humanities: eine Einführung, hg. von Fotis Jannidis et al. (Stuttgart: J.B. Metzler Verlag, 2017), 19–34.
- 68 Für die Zukunft ist eine systematische Analyse der Theoriebildung und -arbeit über längere Zeiträume hinweg, beispielsweise durch eine Erweiterung der Datenerhebung auf den Zeitraum vor 2022, und die Einbindung weiterer DH-Communities wie DHARTI (Indien) oder DHASA (Südafrika) geplant.